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Artikel: 1. Mai 2012

Blockübergreifende Verflechtung bei Atomwaffenproduktion

Der „Kalte Krieg“ ist zwar schon seit über zwanzig Jahren beendet, aber noch immer horten elf Staaten über 20.530 Atomwaffen. Andererseits gab es auch erhebliche Fortschritte bei der Abrüstung. Zu den Kuriositäten des neuen „Friedens“ zählt, dass eine russische Staatsbank zumindest mittelbar an der Produktion von NATO-Atomwaffen beteiligt ist.

Es handelt sich um die russische „Bank für Entwicklung und Außenwirtschaft“ (Vnesheconombank) mit Sitz in Moskau. Die Bank kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, wurde sie doch bereits 1924 gegründet, als die Bolschewiki das sowjetische Finanzsystem neu aufbauen mussten. Heute verfügt die Bank unter Leitung von Wladimir Alexandrowitsch Dmitrijew über 17.000 Mitarbeiter. Sie ist beteiligt an Projekten zur Modernisierung der nationalen Wirtschaft, managt die russische Rentenkasse und ist auf den internationalen Finanzmärkten aktiv. So hat Vnesheconombank seit Oktober 2007 auch eine Niederlassung in Frankfurt.

Zu den internationalen Geschäften der Bank gehörte im Dezember 2007 auch der Erwerb von 41 Millionen Aktien im Gesamtwert von damals 995 Millionen Euro an dem deutsch-niederländischen Unternehmen „European Aeronautic Defence and Space Company“, das sind über 5 Prozent des Gesamtkapitals. Aber EADS stellt nicht nur das Passagierflugzeug Airbus her, sondern ist auch an zahlreichen Rüstungsprojekten beteiligt.

So produziert dessen Tochterunternehmen Astrium Atomwaffen für die französischen Streitkräfte, die seit Juni 2009 wieder Vollmitglied der NATO sind. Es handelt sich um Raketen vom Typ M51 mit jeweils zehn Atomsprengköpfen a 100 KT und einer Reichweite von 9.000 Kilometern. Die Rakete wurde erstmals 2010 an Bord des Atom-U-Bootes „Le Terrible“ eingeführt. Das Rüstungsprojekt hat einen Gesamtumfang von 3 Milliarden Euro.

Außerdem ist EADS am Bau des Marschflugkörpers „Air-Sol Moyenne Portée-Amélioré“ (ASMPA) beteiligt, der über einen Atomsprengkopf von 300 KT verfügt und eine Reichweite von 300 km hat. Mit dieser Waffe sind seit November 2010 die Jagdbomber Mirage 2000N und Rafale F3 ausgerüstet. Die beiden Flugzeuge wiederum werden vom Unternehmen Dassault hergestellt, an dem EADS ebenfalls beteiligt ist.

EADS baut aber nicht nur für die französische Streitkräfte Flugzeuge, der Konzern besitzt seit 2006 einen Aktienanteil von 10 Prozent an dem russischen Rüstungsunternehmen „Korporazija Irkut“, das u. a. die Mehrzweckkampfflugzeuge Su-30 produziert.

Kapital kennt bekanntlich keine Grenzen! So mögen die einen die blockübergreifende Rüstungskooperation als Ausdruck einer neuen „Normalität“ zwischen früheren Gegnern sehen, die anderen werden diese brisante Kooperation als neue Stufe der Profitmacherei des Militärisch-Industriellen-Komplexes ablehnen.

Auf die Geschäftsbeziehungen zwischen Vnesheconombank und EADS machte erneut eine Studie über die Verwicklung internationaler Banken in die nukleare Rüstung aufmerksam, die die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen im März 2012 vorgelegt hat. Das Dokument ist auf der Webseite der Ärzte gegen Atomkrieg kostenlos verfügbar (www.ippnw.de). Wie die Studie darlegt, besitzen auch elf deutsche Banken und Versicherungen Aktienanteile an atomaren Rüstungsunternehmen, darunter die Deutsche Bank AG, die Commerzbank und die Allianz-Versicherung.

 

 
   
 
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