Militärforschung
  Herr Trump und sein Atomkode
 

 

Herr Trump und sein Atomkode

 

Gerhard Piper

 

9. Oktober 2017

 

„Seid vorbereitet, die Wahrscheinlichkeit ist gegeben,   
dass unser furchtbarer Anführer uns unwissentlich in den 3. Weltkrieg führt.“

 

Donald J. Trump, Twitter, 31. August 2013

 

Donald Trump ist nicht nur für seine politischen Wissenslücken, sondern auch für seine Impulsivität und seine aggressive Rhetorik bekannt, die keineswegs bloß eine Wahlkampftaktik war, sondern offensichtlich seinem tatsächlichen politischen Weltbild entspricht. Wiederholte Regelverstöße und Tabubrüche gehören zu seinem Politikstil. Dabei nimmt der narzisstische Egomane keine Rücksicht darauf, ob er jemanden verschreckt oder verletzt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt als 45. Präsident kam die Debatte über ein mögliches Impeachment des US-Congress auf. Z. Zt. überlegen US-Parlamentarier, ob sie Donald J. Trump auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen sollen. Angesichts seines militärischen Säbelrasselns im Nuklearkonflikt mit Nordkorea, ist eine zunehmende Zahl von Erdenbürgern besorgt, was man diesem „enfant terrible“ des amerikanischen politischen Systems noch zutrauen muss. Kann Donald Trump einen Atomkrieg irrtümlich auslösen? Schließlich hat er laut Verfassung die alleinige Verfügungsgewalt über alle US-Atomwaffen, die er per „Emergency Action Message“ einsetzen kann.


Pershing IA: Launch Control Panel an der Programmier- und Prüfstation (PTS). (Lutwaffenmuseum Berlin)
 

Akuter Atomkonflikt USA-Nordkorea

 

Der seit langem schwelende Nuklearkonflikt zwischen den USA und Nordkorea hat sich seit dem Amtsantritt von Donald J. Trump weiter verschärft. Am 3. September 2017 führten die nordkoreanischen Streitkräfte ihren sechsten Nukleartest durch. Über die Sprengkraft gab es höchst unterschiedliche Schätzungen im Kilotonnenbereich. Die Nordkoreaner behaupteten, sie hatten eine Wasserstoffbombe unterirdisch getestet. Außerdem führten die nordkoreanischen Streitkräfte seit Jahresbeginn mehrere Raketentests im Kurz-, Mittel- und Langstreckenbereich durch. Am 4. Juli und am 28 Juli testete man eine Interkontinentalrakete Hwasong-14, die über eine geschätzte Reichweite von 6.700 km verfügt und damit den US-Bundesstaat Alaska abdeckt. Bereits 2016 hatte man möglicherweise ein anderes ICBM-Modell, die KN-08 Hwasong-13, zweimal getestet. Das Atomarsenal wird ergänzt durch 3.000 bis 5.000 Tonnen chemischer Waffen und geringe Bestände an Bio-Waffen.

 

Aufgrund der nordkoreanischen Rüstungsbestrebungen sprach US-Präsident Donald J. Trump wiederholt Angriffsdrohungen gegen das Regime in Pjöngjang aus. Mal drohte er mit „fire and fury“ (8. August), mal mit „totally destruction“ (19. September), mal mit „devastating North Korea“ (26. September). Daraufhin bezeichnete die Regierung in Pjöngjang die US-Regierungserklärungen als „Hundegebell“ (21. September) und drohte mit einem Präventivschlag gegen die amerikanische Insel Guam (8. August) und das US-Festland (23. September). (1) Allerdings bezweifelte Yong Suk Lee, von der Nordkorea-Sektion der CIA, dass die nordkoreanische Regierung unter Kim Jong-un tatsächlich einen militärischen Angriff plant: „Er will lange herrschen und in seinem eigenen Bett sterben. (…) Aufzuwachen und zu entscheiden, Los Angeles plattzumachen, liegt nicht in seinem Interesse zu überleben.“ (2)

 

Am 26. September erklärte der Vorsitzende des US-Generalstabs, General Joseph Dunford, vor dem Streitkräfteausschuss des Senats (Senate Armed Services Committee), dass Nordkorea bald in der Lage sein werde, US-Kernland nuklear anzugreifen: "Whether it is three months or six months or 18 months, it is soon, and we ought to conduct ourselves as though it is just a matter of time" (3) Da Donald J. Trump voraussichtlich noch bis Januar 2021 im Amt ist, ist es an ihm, dieses Problem unbedingt zu lösen.

 

Gemäß der so genannten „militärischen Logik“ ist es für die US-Regierung „attraktiv“, Nordkorea in einem Präventivschlag anzugreifen, bevor die Regierung in Pjöngjang überhaupt in der Lage ist, mit ihren Atomwaffen US-Territorium attackieren zu können. Die Leidtragenden wären in diesem Fall der US-Bündnispartner Südkorea und dessen (Zivil-)Bevölkerung. (4)

 

Nach Ansicht des amerikanischen Nordkorea-Experten Peter Hayes hat Trumps militaristische Rhetorik Methode. In einem Interview mit dem „Spiegel“ behauptete er:

 

„Gemessen an den normalen Maßstäben, die für ein verantwortungsbewusstes Handeln eines Präsidenten gelten, war sein Verhalten einfach nur erschreckend. Es ist offensichtlich, dass ihm Korea egal ist, dass er sich um Nuklearkriege, Abschreckung und Handel nicht schert. Er verhält sich rücksichtslos und nutzt Amerikas Militärmacht, um Gegner wie auch Verbündete zu bedrohen. So will er sie verwirren und aus dem Takt bringen. Immer wenn das Durcheinander dann am größten ist, versucht er, irgendeinen Vorteil zu erzielen - einen Waffendeal mit Südkorea, neue chinesische Sanktionen gegen den Norden. (…)

 

Dieser Ansatz folgt keiner klaren Geo-Strategie, er besteht sogar aus sich widersprechenden Strategien. Sein Handeln widerspricht klar dem Konzept hegemonialer Führung, nach dem ein Hegemon wie die USA Gefolgschaft anderer eigentlich durch Konsens und klare Führung erreichen sollte, nicht durch Drohungen und Zwang. Ich denke, wir befinden uns in der Phase eines posthegemonialen Interregnums. Und Trump ist schlicht ein Symptom des Zerfalls.“ (5)

 

Im „Strategic Plan 2016“ des Air Force Global Strike Command hieß es zum Thema “Strategic Environment”:

 

“North Korea continues to openly threaten the United States. It is pursuing both nuclear weapons and ballistic missile technologies despite repeated demands from the international community to cease such efforts. Now North Korea claims to have the ability to reach the United States mainland with its road mobile KN-08 ICBM.” (6)

 

Außerdem veranstaltet das US-Strategic Command (STRATCOM) in diesem Jahr eine akademische Konferenz, bei der es um den Konflikt mit Nordkorea geht. Dabei werden/wurden u. a. folgende Fragestellungen diskutiert:

 

“- Assess the advantages, disadvantages, and implications of the denuclearization, peninsula unification, and regime change policies regarding the DPRK.

 

- How might all elements of national power/leverage be integrated into a cohesive, unified approach to best achieve policy option selected regarding the DPRK problem?

 

- Is there a role for economic incentives in the deterrence & assurance campaign for DPRK? Could a tailored “Marshall Plan” solve the DPRK problem?” (7)

 

Am 1. Oktober 2017 lehnte Donald J. Trump jegliche Verhandlungen mit der nordkoreanischen Regierung strikt als „Zeitverschwendung“ ab. Am 7. Oktober wiederholte er diese Gesprächsverweigerung auf “Twitter”: „Presidents and their administrations have been talking to North Korea for 25 years, agreements made and massive amounts of money paid hasn't worked, agreements violated before the ink was dry, makings fools of U.S. negotiators. Sorry, but only one thing will work!” Mehr als 57.000 User haben dies „geliked“. So bleiben nur noch eine bedingungslose Unterwerfung der nordkoreanischen Regierung unter den US-Imperalismus oder ein amerikanischer Militärschlag als einzig verbliebene Optionen. Derweil aktualisieren die US-Streitkräfte ihren Operations Plan 5015 (OPLAN 5015) für einen (konventionellen) Krieg gegen Nordkorea.

 

Auf der Zielliste ganz oben stehen die Kommandozentralen der politisch-militärischen Staatsführung: Mehrere Bunker sind in die beiden Linien der U-Bahn in Pjöngjang (Streckenlänge: mindestens 22,5 km) integriert, um der Staatsführung eine verdeckte Evakuierung zu ermöglichen. (8) So ist die U-Bahnstation Kwangmyŏng der Hyŏksin-Linie über einen unterirdischen Tunnel mit dem Kumsusan Gedenkpalast und dem Hauptstadt-Flughafen Sunan verbunden. Ein großer Kommandobunker befindet sich bei der U-Bahnstation Rakwon der Hyŏksin-Linie. Der Kommandobunker „Nuclear Watch Guard Post“ befindet sich in Pjöngjang-Mangyongdae, der „Integrated Command Post for Nuclear Warfare“ im Berg Chidang in Changsan-dong und ein weiterer Kommandobunker im Berg Baekdu bei Samiyejon. (9) Raketenbasen befinden sich u. a. in Hwadae, Musudan-ri und Okpyong.

 

Mittlerweile haben auf den Inseln Hawaii (10) und Guam die Zivilschutzvorbereitungen begonnen:

 

“The pre-scheduled quarterly test for GHS/OCD will be held (am 2. Oktober 2017, G. P.) in conjunction with the U.S. Naval Base Guam and Andersen Air Force Base monthly routine testing of the vital communication and advance warning system, “Giant Voice (GV).” Residents, visitors and motorists surrounding the AHAWS sirens and GV speakers can expect to hear pre-scripted voice messaging announcing the start and end of the test, and ten-seconds of the “Alert” tone, which can be heard here.” (11)

 

Die Person des US-Präsidenten

 

- Geistige und physische Gesundheit

 

Da der US-Präsident im nuklearen Entscheidungsfindungsprozess als Commander-in-Chief (CINC) eine herausragende Stellung, hängt viel von ihm und seiner Person ab. Dies betrifft zunächst einmal seine geistige und physische Gesundheit. Da die Präsidenten Männer im fortgeschrittenen Alter sind, hatten alle ihre persönlichen, oftmals chronischen „Wehwehchen“, die einer andauernden medizinischen Behandlung bedurften. Von den 45 US-Präsidenten starben während ihrer Amtszeit vier an Krankheiten (William Henry Harrison, Zachary Taylor, Warren G. Harding und Franklin D. Roosevelt), vier weitere wurden erschossen (Abraham Lincoln, James Garfield, William McKinley und John F. Kennedy).

 

Um Bedenken auszuräumen, unterzieht sich jeder seriöse Präsidentschaftskandidat zu Beginn der Wahlkampagne einem umfassenden Gesundheitscheck; im Gegensatz dazu legte Donald Trump nur ein Attest von einem befreundeten Arzt vor.

 

Aufgrund des hohen Drucks, der auf jedem Amtsinhaber lastet, gehört zum Beraterstab des Weißen Hauses auch ein Amtsarzt. Auf die Besetzung eines offiziellen White House-Psychiaters wurde bewusst verzichtet. Jedoch haben US-Präsidenten wiederholt Psychiater in Washington D. C. privat aufgesucht und nicht nur, um über Fragen der Gesundheitspolitik zu debattieren.

 

Mit der Übernahme des Amtes am 20. Januar um 12.00 Uhr Ortszeit geht die atomare Kommandogewalt auf den neuen Amtsträger über.

 

Aber gemäß Absatz 3 des 25. Zusatzartikel zur Verfassung haben der Vizepräsident und das Kabinett das Recht, durch eine medizinische Untersuchung feststellen zu lassen, ob der Präsident sein Amt weiterhin ausüben kann:

 

„Whenever the President transmits to the President pro tempore of the Senate and the Speaker of the House of Representatives his written declaration that he is unable to discharge the powers and duties of his office, and until he transmits to them a written declaration to the contrary, such powers and duties shall be discharged by the Vice President as Acting President.” (12)

 

 

- John F. Kennedy hatte nach einer Sport- und einer Kriegsverletzung enorme Rückenprobleme; deshalb musste er ein geheimes Korsett tragen und nahm ständig Schmerzmittel, die wie alle Medikamente Nebenwirkungen hatten. Wegen seiner Depressionen nahm er zumindest zeitweise Psychopharmaka.

 

Auch während der dreizehntägigen Kuba-Raketenkrise im Oktober 1962 stand der schwerkranke Präsident unter Medikamenteneinfluss:

 

„By the time of the missile crisis, Kennedy was taking antispasmodics to control colitis; antibiotics for a urinary tract infection; and increased amounts of hydrocortisone and testosterone, along with salt tablets, to control his adrenal insufficiency and boost his energy. (…)

 

In December 1962, after Jacqueline Kennedy complained that he seemed ''depressed'' from taking antihistamines for food allergies, he took a prescribed antianxiety drug, Stelazine, for two days. At other times he took similar medications regularly.

 

The records show that Kennedy variously took codeine, Demerol and methadone for pain; Ritalin, a stimulant; meprobamate and librium for anxiety; barbiturates for sleep; thyroid hormone; and injections of a blood derivative, gamma globulin, presumably to combat infections.

 

In the White House, Kennedy received ''seven to eight injections of procaine in his back in the same sitting'' before news conferences and other events, Dr. Kelman said.

 

The president had so much pain from three fractured vertebrae from osteoporosis that he could not put a sock or shoe on his left foot unaided, the records reveal. He sometimes reported waking before dawn with severe abdominal cramps.

 

In August 1961, the records show, Mrs. Kennedy rushed in from another room when he screamed in pain as the White House physician, Dr. Janet G. Travell, injected procaine deep into his back muscles to numb them.” (13)

 

- Lyndon B. Johnsons Politik war in den USA sehr umstritten. Die Kritik entzündete sich insbesondere am Vietnam-Krieg und war eine der Quellen für die so genannte 68er-Protestbewegung. Der Präsident selbst reagierte darauf seit 1965 durch eine zunehmende Paranoia. Er sah die USA bedroht durch eine kommunistische Verschwörung. Gegenüber seinem Berater Richard N. Goodwin erklärte er einmal: „I never really dare let myself go because I don't know where I'll stop.'“

 

Berater Goodwin berichtete in seinen Memoiren “Remembering America: A Voice From the Sixties'' (1988) weiter:

 

“Sitting in the Oval Office on July 5, Johnson interrupted our conversation on domestic matters: ''You know, Dick, the Communists are taking over the country. Look here,'' and he lifted a manila folder from his desk. ''It's Teddy White's F.B.I. file. He's a Communist sympathizer.''

 

A few days before, I had been sitting in Bill Moyers's office, when Bill walked in, visibly shaken, his face pale. ''I just came from a conversation with the President,'' he said. ''He told me he was going to fire everybody who didn't agree with him, that Hubert [Humphrey] could not be trusted and we weren't to tell him anything; then he began to explain that the Communist way of thinking had infected everyone around him, that his enemies were deceiving the people and, if they succeeded, there was no way he could stop World War III.''

 

''Suppose he really does go crazy,'' I said. And then, answering my own question: ''I tell you what would happen if we went public with our doubts. They could assemble a panel of psychiatrists to examine the President, and he would tell them how sad it made him that two boys he loved so much could have thought such a thing, and then explain his behavior so calmly and reasonably that when he was finished, we would be the ones committed.''

 

Shortly thereafter, I talked with a psychiatrist who was also a close personal friend. After he agreed to treat our conversation as privileged, I described the President's behavior in detail as I had observed it. At the time, I did not even inform Moyers of this step; nor did he tell me, until years later, that he had independently followed the same course, speaking with two different psychiatrists.

 

All three doctors offered essentially the same opinion: that Johnson's behavior - if the layman's descriptions we provided were accurate -seemed to correspond to a textbook case of paranoid disintegration, the eruption of long-suppressed irrationalities. The disintegration could continue, remain constant, or recede, depending on the strength of Johnson's resistance, and, more significantly, on the direction of those external events - the war, the crumbling public support -the pressures from which were dissolving Johnson's confidence in his ability to control events. (…)

 

Weeks later, sitting around the pool at his Texas ranch with some members of the staff, Lady Bird Johnson at his side, the President gloomily proclaimed: ''I'm going to be known as the President who lost Southeast Asia. I'm going to be the one who lost this form of government. The Communists already control the three major networks and the 40 major outlets of communication. Walter Lippmann is a Communist and so is Teddy White. And they're not the only ones. You'd all be shocked at the kind of things revealed by the F.B.I. reports.''(14)

 

- Richard Nixon führte ein antidemokratisches Regime und ließ die Demokratische Partei ausforschen. In den letzten Monaten seiner Amtszeit, während der der Druck auf ihn wegen der Watergate-Affäre immer mehr zunahm, entwickelte er sich – zusammen mit seiner Ehefrau Rosalyn – zum Alkoholiker und Paranoiker. Außerdem befand er sich bereits seit 1952 mit Unterbrechungen in psychiatrischer Behandlung bei Dr. Arnold Hutschnecker. (15)

 

Um zu verhindern, dass Nixon „irrtümlich“ einen Atomkrieg auslöst, gab der damalige Verteidigungsminister James R. Schlesinger den Militärs die Dienstanweisung, alle Befehle des Präsidenten müssten von ihm oder Außenminister Henry Kissinger positiv bestätigt werden. (16) Eine gesetzliche Grundlage für diese partielle Entmachtung des Präsidenten durch den damaligen Verteidigungsminister gab und gibt es nicht.

 

Dennoch war diese ungewöhnliche Maßnahme sicherlich sinnvoll, zumal Nixon seit 1969 einen Atomangriff auf den „Hồ Chí Minh“-Nachschubpfad plante (Operation DUCK HOOK). (17) Dazu berichtete der „Spiegel“:

 

So forderten Roger Morris und Anthony Lake am 2. Oktober 1969 eine Vorlage bei den Militärs an, die es dem Präsidenten ermöglichen sollte, vorab "die schicksalhafte Frage (zu entscheiden), wie weit wir gehen werden". Der Präsident könne nicht in einer Operation auf einmal mit "dem Thema taktische Nuklearwaffen konfrontiert werden", sondern müsse vorbereitet sein, "jeden notwendigen Schritt zu unternehmen".

 

Ob Nixon und sein Sicherheitsberater auch Einsatzpläne für einen Nuklearkrieg gegen Vietnam befohlen haben, geht nicht aus den Unterlagen hervor, ist aber gut möglich. Denn Nixon war begeisterter Anhänger der "Madman"-Theorie: Seine Gegner in Vietnam sollten glauben, dass er zum Schlimmsten fähig sei, auch dem Nuklearkrieg. Er hoffte, auf diese Weise seine Verhandlungsposition zu verbessern. (…)

 

Anfang Juli 1969 kamen daher der Präsident und Kissinger überein, den Krieg in Südostasien auszuweiten. „Ich weigere mich zu glauben, dass eine viertrangige Macht wie Nord-Vietnam keine Bruchstelle hat“, erklärte Kissinger den neuen Dokumenten zufolge einer Arbeitsgruppe, die er eigens zusammenrief. Die Experten sollten „ohne jegliche Vorbehalte“ alle Möglichkeiten eines „brutalen, entscheidenden Schlages“ prüfen.“ (18)

 

Im April 1972 erwog die Nixon-Administration erneut einen Atomangriff. In einem vertraulichen Gespräch mit seinem Sicherheitsberater Henry Kissinger in College Park, diskutierten die beiden Politiker verschiedene Kriegsstrategien herkömmlicher Art. Kraftwerke und Häfen sollten vermehrt angegriffen werden. Offenbar mit den Mitteln konventioneller Kriegsführung nicht zufrieden, sagte Nixon: „Ich würde eher die Atombombe einsetzen.“ Laut Gesprächsmitschnitt antwortete Kissinger: „Ich denke, das wäre zu viel.“ (19)

 

Diese Überlegungen wurden schließlich aufgegeben, da Präsident Nixon im Falle eines US-Atomangriffs den Ausbruch eines Bürgerkrieges in den USA befürchtete. Außerdem versetzte er im Oktober 1969 einen Bomberverband von B-52 in Alarmbereitschaft, ohne dass die Gründe dafür bis heute bekannt geworden wären.

 

- Ronald Reagan hatte bei seinem Amtsantritt bereits ein hohes Alter erreicht. Dies musste sich auch auf seine jahrelange Amtsführung auswirken. Hinter verschlossenen Türen galt er als faul und begriffsstutzig. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt – so die offizielle Version – wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Nach der Diagnose wandte sich Reagan an die amerikanische Bevölkerung und erklärte, er werde sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und gehe dem „Sonnenuntergang“ entgegen.

 

Außerdem wurde Ronald Reagan durch seinen fragwürdigen „Humor“ bekannt: Nach einer Fernsehansprache, die Mikrofone waren noch angeschaltet, erklärte er: „Wir beginnen mit der Bombardierung (gemeint war die Sowjetunion, G. P.) in fünf Minuten.“

 

Roger Carl Molander, ein US-Atomstratege der damals Dienst im Weißen Haus machte, berichtete über seine Erfahrungen:

 

„Es gab eine Menge kindischen Verhaltens im Weißen Haus, eine Menge Leute, denen bei jeder Gelegenheit die Nerven durchgingen. Das Büro der Atomkriegsplaner im Weißen Haus war eigentlich der letzte Ort, an dem ich Leute treffen wollte, die die Kontrolle über sich verlieren. Aber hier gab es die hemmungslosen Wutanfälle gegen Regierungsbeamte anderer Staaten, gegen Aktenordner und Stabsoffiziere, gegen beinahe alles, was man sich denken kann. Ich hatte gehofft, dass sich die Atomkriegsfragen im Weißen Haus in den Händen von Leuten befänden, die rational denken und auch unter Druck gelassen blieben. Ich musste dazulernen.“

 

- Donald J. Trump erklärte am 15. Dezember 2016 zu dieser Frage machtbewusst:

 

“I think we need somebody absolutely that we can trust, who is totally responsible, who really knows what he or she is doing. That is so powerful and so important. But we have to be extremely vigilant and extremely careful when it comes to nuclear. Nuclear changes the whole ball game. For me, nuclear, the power, the devastation, is very important to me.” (20)

 

Allerdings sind mittlerweile erhebliche Zweifel aufgekommen, ob Donald J. Trump den von ihm verkündeten Kriterien selbst genügt. Er gilt nicht nur als narzisstisch gestörter Schnösel aus reichem Hause und Politneuling. In seinen zahlreichen tagtäglichen Mitteilungen erfindet Trump schon mal das afrikanische Land „Nambia“ und spricht von „covfete“, obwohl niemand weiß, was dies bedeutet. Im Dezember 2016 sprach er sich für atomare Abrüstung aus, im Januar 2017 für nukleare Aufrüstung. Außerdem hat die Trump-Administration seit ihrem ersten Tag im Amt eine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit und propagiert diese als „alternative facts“, so die Präsidentenberaterin Kellyanne Conway.

 

Schon seine Gegenkandidatin im US-Präsidentschaftswahlkampf Hillary R. Clinton bezweifelte Trumps Charakter und politischen Fähigkeiten. Sie erklärte Ende Juni 2016 in einer Parteitagsrede:

 

„Stellt ihn euch im Oval Office vor, konfrontiert mit einer echten Krise. (…)Wir können einem Mann, den man mit einem Tweet provozieren kann, nicht unsere Nuklearwaffen anvertrauen." (21)

 

In gleicher Weise kritisierte Amtsvorgänger Barack Obama am 6. November 2016 in einer Rede in Florida: „Now, if somebody can't handle a Twitter account, they can’t handle the nuclear code, If somebody starts tweeting at three in the morning ’cause SNL made fun of you, then you can’t handle the nuclear code.” (22)

 

Die Amtstauglichkeit Trumps bezweifelte auch der frühere Geheimdienstkoordinator Director of National Intelligence (DNI) James R. Clapper am 23. August 2017 in einem Interview mit “CNN”, Trumps "behavior and divisiveness and complete intellectual, moral and ethical void."

 

"I really question his ability to be -- his fitness to be -- in this office, and I also am beginning to wonder about his motivation for it. (…) How much longer does the country have to, to borrow a phrase, endure this nightmare? (…) In a fit of pique he decides to do something about Kim Jong Un, there's actually very little to stop him, (…) The whole system is built to ensure rapid response if necessary. So there's very little in the way of controls over exercising a nuclear option, which is pretty damn scary." (23)

 

Im September 2017 startete die demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Zoe Lofgren eine Initiative mit dem Ziel, der Vizepräsident und andere Kabinettsmitglieder sollten Donald Trump psychiatrisch auf seinen Geisteszustand hin untersuchen lassen. Dazu erklärte sie:

 

„Ich wusste, dass meine Resolution ein wenig Wirbel auslösen würde. Meine Absicht war, dass die Sache auf diese Weise zu Mike Pence Ohren kommt, weil es seine Pflicht ist, zu handeln – nicht meine. (…) Wir  sind keine engen Freunde, ich bin mit ihm auch nicht einer Meinung, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er seine verfassungsrechtlichen Pflichten nicht ernst nimmt. (…)

 

Ich habe diese berühmte Szene gesehen, als der Präsident aus seinem Flugzeug ausgestiegen ist und seine Limousine stand da, aber er lief umher, als wüsste er nicht, wo er ist. Das war gruselig. Oder denken Sie an die Szene, als er ein Dekret unterzeichnen sollte im Weißen Haus und einfach aufstand und wegging, ohne sie zu unterzeichnen. Das war doch seltsam. (…)

 

Ich habe noch nie mit dem Präsidenten zusammengesessen, aber andere Abgeordnete haben dies getan. Ohne jetzt Namen zu nennen, kann ich sagen, dass sich diese Abgeordneten mir gegenüber über das Verhalten des Präsidenten besorgt geäußert haben. Dass er Gesprächen nicht folgt, dass er seltsame Fragen stellt zu Dingen, die eigentlich schon besprochen waren. Und dass er nicht weiß, wo er ist.“ (24)

 

Nach Ansicht des amerikanischen Nordkorea-Experten Peter Hayes hat Trumps militaristisch-gestörte Rhetorik Methode. In einem Interview mit dem „Spiegel“ behauptete er:

 

„Gemessen an den normalen Maßstäben, die für ein verantwortungsbewusstes Handeln eines Präsidenten gelten, war sein Verhalten einfach nur erschreckend. Es ist offensichtlich, dass ihm Korea egal ist, dass er sich um Nuklearkriege, Abschreckung und Handel nicht schert. Er verhält sich rücksichtslos und nutzt Amerikas Militärmacht, um Gegner wie auch Verbündete zu bedrohen. So will er sie verwirren und aus dem Takt bringen. Immer wenn das Durcheinander dann am größten ist, versucht er, irgendeinen Vorteil zu erzielen - einen Waffendeal mit Südkorea, neue chinesische Sanktionen gegen den Norden. (…)

 

Dieser Ansatz folgt keiner klaren Geo-Strategie, er besteht sogar aus sich widersprechenden Strategien. Sein Handeln widerspricht klar dem Konzept hegemonialer Führung, nach dem ein Hegemon wie die USA Gefolgschaft anderer eigentlich durch Konsens und klare Führung erreichen sollte, nicht durch Drohungen und Zwang. Ich denke, wir befinden uns in der Phase eines posthegemonialen Interregnums. Und Trump ist schlicht ein Symptom des Zerfalls.“ (25)

 

- Nukleare Vorkenntnisse

 

Ein zweiter Aspekt ist die Frage der militärischen Ausbildung des Präsidenten, insbesondere bezgl. des Einsatzes, der Wirkung und den Folgen eines Atomwaffeneinsatzes. Zwar herrschte in den USA bis in den siebziger Jahren Allgemeine Wehrpflicht, aber viele der Karrierepolitiker aus reichem Hause mussten tatsächlich einen Wehrdienst bei den Streitkräften ableisten.

 

- Jimmy Carter war der bisher einzige Präsident, der praktische Erfahrungen bei den Atomstreitkräften nachweisen konnte. Er diente auf einem Atom-U-Boot.

 

- Nuklearpolitische Ausbildung

 

Die Einsatzvorbereitungen und Pläne für einen atomaren Krieg unterliegen strengster Geheimhaltung und wurden nur z. T. öffentlich bekannt. Erst mit seiner Wahl zum „president elected“ am 8. November des Wahljahres, erhält der zukünftige Präsident die notwendige security clearance, um in die Ultrageheimnisse der amerikanischen Atomkriegsplanung und fundamentale Staatsgeheimnisse eingeweiht zu werden. Der frühere CIA-Direktor Michael Hayden nannte diese Unterweisung in seinen Memoiren die „Ach du Sch(eiße)-Momente“. (26)

 

Zwischen seiner Wahl zum Präsidenten und dem Tag seiner Amtseinführung 20. Januar des Folgejahres, hat der gewählte aber noch nicht amtierende Präsident elf Wochen Zeit, um sich auf seine zukünftigen Aufgaben vorzubereiten. In dieser Zeit wird er – ebenso wie der designierte Vizepräsident - von Soldaten der (Atom-)Streitkräfte in seinen Aufgabenbereich als Commander-in-Chief (CinC) eingewiesen. Allerdings muss der gewählte US-Präsident auch noch in alle anderen Staatsgeheimnisse und Politikfelder eingewiesen werden. Nicht zuletzt muss er auch sein Kabinett und seinen Mitarbeiterstab auswählen, so dass tatsächlich nur ein paar Stunden Zeit bleiben, um ihn in die hypothetische Nuklearkriegführung einzuweisen.

 

- Harry S. Truman wurde mit der Wiederwahl von Franklin Delano Roosevelt zum Präsidenten am 20. Januar 1945 US Vice President. Nach einer Pleite als Inhaber eines Krämerladens für Herrenkonfektion (Hüte, Handschuhe und Gürtel) hatte Harry S. Truman jahrelang als Straßenbauingenieur gearbeitet und in Abendkursen Jura studiert. Im Jahr 1934 avancierte er zum Senator für Missouri. Als Vorsitzender des Senatsausschuss für Rüstungsproduktion konnte er erste politische Erfahrungen sammeln. Als Roosevelt am 12. April 1945 an einer Hirnblutung verstarb, wurde Truman automatisch in das Amt des US-Präsidenten katapultiert. Fortan musste er sich mit der Besatzung des Dritten Reiches, der Niederschlagung des japanischen Kaiserreiches und dem stalinistischen Regime in der Sowjetunion etc. auseinandersetzen. Erst mehrere Tage nach seiner Vereidigung erfuhr Truman, dass die USA heimlich an einer neuartigen Waffentechnologie arbeiteten, die auf der Energiefreisetzung durch die Spaltung von irgendwelchen Atomkernen beruhte. Nur selten war jemand so unbedarft und unvorbereitet in ein solch hohes Amt befördert worden. Bereits drei Monate nach seinem überraschenden Amtsantritt erteilte Truman, als er sich gerade zur „Potsdamer Konferenz“ in Deutschland aufhielt, den Befehl zum ersten Einsatz der neuen Bombe gegen Hiroshima. (27)

 

- Donald Trump prahlte bereits im Jahr 1984, in einem Interview mit Lois Romano („Washington Post“) mit seinen angeblichen Kenntnissen über die Nuklearproblematik: “It would take an hour and a half to learn everything there is to learn about missiles. … I think I know most of it anyway.” (28)

 

Aber Anfang 2016 debattierte er einmal mit Experten über Atomwaffen. In dem privaten Gespräch fragte Trump dreimal: „Wenn wir atomare Waffen haben, warum können wir sie dann nicht einsetzen?“ Dass der Besitz und der Einsatz von Atomwaffen im Zeitalter der Abschreckung zwei völlig unterschiedliche Dimensionen sind, war ihm offensichtlich nicht klar. (29)

 

Im Dezember 2016 konnte die Frage eines Radioreporters, welche der drei Säulen der nuklearen Triade er bevorzugt ausbauen will, nicht beantworten. Offensichtich wusste er nicht, was die „nukleare Triade“ überhaupt ist. (30) Früher verstand man darunter das Gesamtarsenal aus Bombern, Interkontinentalraketen und U-Boot-Raketen; heute ist von der „neuen Triade“ die Rede. Sie gliedert sich in 1. Non-nuclear and nuclear Strike Capabilities, also der alten Triade, plus 2. den Active and passive Responses und 3. der Responsive Infrastructure.

 

Am 9. August „twitterte“ Präsident Trump: „Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren. Jetzt ist es weit stärker und kraftvoller als jemals zuvor.“ (31) Diese Behauptung ist allein schon aus militärtechnischen Gründen schlichtweg Unsinn.

 

Dr. Bruce Blair von der Princeton University, einer der wichtigsten zivilen Experten für atomare Führungssysteme, zeigte sich angesichts des Amtsantritts von Donald Trump äußerst besorgt. In einem Interview mit dem „Spiegel“ erklärte er:

 

„Trumps Finger auf dem Atomkoffer macht mir Angst. Ich habe keinerlei Vertrauen in Trumps Urteilskraft, was Krieg und Frieden angeht. Er ist impulsiv. Er ist aggressiv, schlecht oder falsch informiert. Er weiß praktisch nichts über Atomwaffen oder internationale Beziehungen. Er ist ein Hitzkopf. Er denkt nicht. Er will nicht lernen. Und ganz wichtig: Er hat gezeigt, dass er die Welt in Gewinner und Verlierer einteilt. Ganz ehrlich: Ich lebe in Angst. Ich fürchte, irgendwann trifft Trump eine schlechte Entscheidung, was Atomwaffen angeht. (…)

 

In der Nuklearfrage gibt es ein klar geregeltes Prozedere. Es ist dazu entworfen worden, im Zweifel schnell und effizient reagieren zu können. Es ist unglaublich: Der Präsident hat eine Entscheidungsmacht, die die Zivilisation beenden kann. Vollkommen ohne Hürden. (…)

 

Er hält nichts von Diplomatie. Er eskaliert Situationen gerne.“ (32)

 

- Loyalität

 

Es heißt, US-Präsidentschaftskandidaten, die eine Aussicht auf Erfolg haben, werden einer äußerst gründlichen Sicherheitsüberprüfung unterzogen, die – so die Formel – sogar bis zu neun Monaten vor ihrer Geburt zurückreicht. Loyalität gegenüber dem eigenen Staat und Volk ist eine conditione sine qua non für die Wahl zum Präsidenten, schließlich möchte niemand, dass das Land ausgerechnet von einem Feind regiert wird, der das White House erobern konnte.

 

So gibt es in der Geschichte der Spionage zwar zahlreiche Fälle, in denen eine Vorzimmerdame oder ein enger Freund bzw. Mitarbeiter eines Regierungschefs als feindlicher Agent entlarvt wurde aber nur selten stellte sich ein Staats- und Regierungschef selbst als solcher heraus. Eine Ausnahme bildete vielleicht Harold Wilson, der als britischer Premierminister (16. Oktober 1964 bis 19. Juni 1970 und 4. März 1974 bis 5. April 1976) und angeblicher „Ostspion“ in der britischen Downing Street No. 10 die Politik des Vereinigten Königreiches bestimmte, und den Oberbefehl über die britischen Atomstreitkräfte ausübte. Damals hörte der britische Sicherheitsdienst MI5 die Regierungszentrale ab. (33) Aber vielleicht waren die internen Vorwürfe gegen Wilson nur eine MI5-Intrige.

 

- John F. Kennedy und seine Ehefrau Jacqueline galten Anfang der sechziger Jahre als Traumpaar, aber John F. Kennedy war auch ein umtriebiger Weiberheld. Wie ein mittelalterlicher Potentat hatte er während seiner Amtszeit eine Unzahl von Mätressen, die ihm vom US Secret Service (USSS) vertraulich zugeführt wurden. Unter diesen war auch eine Frau, die für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der damaligen DDR als „Schwalbe“ bzw. „Eva-Agentin“ arbeitete. Bis heute wurde nicht bekannt, welche Staatsgeheimnisse sie dem Präsidenten nach feucht-fröhlicher Nacht in tiefer Zweisamkeit entlocken konnte.

 

Außerdem hat Kennedy den Präsidentschaftswahlkampf mit Unterstützung des mafiösen „Chicago Outfit“, eines Gangstersyndikats um den Paten Salvatore „Momo“ Giancana, gewonnen. (34) Den Kontakt hatte sein Vater Joseph P. Kennedy hergestellt, der während der Zeit der Prohibition mit Alkoholschmuggel den Grundstein für den Reichtum der Kennedys gelegt hatte. Die Verbindungen zwischen dem Weißen Haus und der Mafia wurden damals über den mafiösen Schlagersänger Frank Sinatra abgewickelt.

 

- Ronald Reagan stand seit seiner Zeit als Hollywood-Schauspieler und Funktionär der Schauspieler-Gewerkschaft Screen Actors Guild Mitte der vierziger Jahre mit den Mobstern der Chicagoer Mafia in engem Kontakt. (35)

 

- Donald Trump muss sich gegenwärtig gegen Vorwürfe verteidigen, Mitglieder seiner Familie und Freunde hätten während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 mit der russischen Regierung „zusammengearbeitet“. So hätten sie vertrauliche Informationen der russischen Dienste über die Gegenkandidaten Hillary Clinton erhalten, außerdem sollen russische Trolle den Wahlkampf durch Fake-News etc. beeinflusst haben. Eine indirekte Bestätigung für die mögliche Richtigkeit der Vorwürfe sehen manche darin, dass der Präsident den ermittelnden FBI-Direktor James B. Comey am 9. Mai – unter einem Vorwand – fristlos entlassen hat.

 

Mittlerweile wurde dem Präsidenten vorgeworfen, er habe am 10. Mai bei einer Besprechung mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dessen Botschafter Sergej Kislyak im Oval Office mit seinen Geheimdiensterkenntnissen geprahlt und Geheimdiensterkenntnisse zur Terroristenbekämpfung weitergegeben, die so geheim waren, dass die US-Regierung diese nicht einmal an die NATO-Verbündeten weiterleitete. „Ich bekomme großartige Geheimdienstberichte. Ich habe Leute, die mich jeden Tag über großartige Geheiminformationen unterrichten,“ soll Trump stolz erklärt haben. (36)

 

Zur Untersuchung der Vorwürfe und Vorfälle wurde der frühere FBI-Chef Robert Swan Mueller III als Sonderermittler vom US-Congress eingesetzt. Präsident Donald Trump bestreitet alle Vorwürfe.

 

- Persönliche politische Einstellung

 

Die persönlichen Normen und Wertvorstellungen des Präsidenten beeinflussen gerade in Krisensituationen die praktische Politik. Normalerweise können Spitzenpolitiker auf eine jahrzehntelange Karriere zurückblicken, während der sie Gepflogenheiten des politischen Systems und seiner checks-and-balances im Detail kennenlernten, praktische Erfahrungen in den parteiinternen Ränkespielen und politischen Auseinandersetzungen sammelten, und sich dabei abschliffen und gleichzeitig in die Funktionsweise des Systems einfanden.

 

Für Donald Trump als Quereinsteiger gilt dies nicht. Er machte als Bauunternehmer und Sonnyboy Karriere, daher fehlen ihm politische Erfahrungen. Dabei ist das Oval Office im Weißen Haus der denkbar ungeeigneste Ort, um ein „on-the-Job“-Praktikum zu machen.

 

Die Situation wird noch dadurch verschlimmert, dass sich Donald Trump im White House mit superreichen Schnöseln aus „Guten Hause“ umgeben hat, die auch über keine nennenswerten politischen Erfahrungen verfügen. Den besten Eindruck hinterlassen bis dato noch ein paar ex-Generäle, die versuchen, das Chaos im Weißen Haus zu begrenzen, um die „Geschäfte“ am Laufen zu halten.

 

CINC-Clause

 

Im politischen System der USA ist der President of the United States (POTUS) zugleich Staats- und Regierungschef. Darüber hinaus ist er – gemäß der so genannten CINC-Clause in Artikel 2 der amerikanischen Verfassung – Commander-in-chief (CINC) der gesamten US-Streitkräfte.

 

„The President shall be Commander in Chief of the Army and Navy of the United States, and of the Militia of the several States, when called into the actual Service of the United States; he may require the Opinion, in writing, of the principal Officer in each of the executive Departments, upon any Subject relating to the Duties of their respective Offices, and he shall have Power to grant Reprieves and Pardons for Offenses against the United States, except in Cases of Impeachment.” (37)

 

Damit obliegt ihm, solange er lebt, die alleinige politische Verfügungsgewalt über das gesamte US-Atomwaffenarsenal – so die seit Jahrzehnten ständig wiederholte offizielle Darstellung. In dieser Eigenschaft teilt er sich die „war powers“ mit dem US-Kongress, dem im Artikel 1 Absatz 8 das alleinige Recht zugesprochen wird, einen Krieg zu erklären („declare war“).

 

Aber auch PINNACLE, so der US-Militärkode für den Präsidenten, muss sich, wenn er einen atomaren Angriffsbefehl erteilen will, elektronisch „ausweisen“. Dazu trägt er eine Plastik-Chipkarte um den Hals, die er in seinem Befehlskoffer FOOTBALL hineinstecken muss. Diese weiße Kode-Karte ist unter der Bezeichnung „biscuit“ bekannt und enthält den so genannten golden-code zur persönlichen Identifizierung des Präsidenten. Sie soll 7 mal 12 cm groß sein.

 

„Wikipedia“ behauptete dazu:

 

„Gold Codes are generated daily and provided by the National Security Agency (NSA) to the White House, The Pentagon, United States Strategic Command, and TACAMO. For an extra level of security, the list of codes on the card includes codes that have no meaning, and therefore the president must memorize where on the list the correct code is located.” (38)

 

- Dwight D. Eisenhower wusste als ehemaliger US-Oberbefehlshaber in Europa während des Zweiten Weltkrieges, dass manchmal Meldungen oder Befehle verspätet eintreffen und welche Auswirkungen dies auf die laufenden Operationen hatte. Während seiner Präsidentschaft in den fünfziger Jahren befürchtete der frühere General, dass die US-Kommandosysteme im Falle eines Atomkrieges zusammenbrechen würden und dass viele US-Atomwaffen daher nicht mehr zu ihrem geplanten Einsatz kommen würden. Daher entschloss er sich, die Entscheidungsbefugnis über den Einsatz von Atomwaffen an nachgeordnete Militärkommandeure vorab zu delegieren („predelegation“), wohl wissend, dass dies auch zu einem Missbrauch führen könnte. Doch Eisenhower ging dieses Risiko ein; allerdings unterlag diese Befehlsdelegierung strengster Geheimhaltung: „It is in the interest to maintain the atmosphere that all authority stays with the U.S. President without delegation,“ betonte Eisenhower in einem vertraulichen Schreiben.

 

- Jimmy Carter vergaß einmal seinen „biscuit“ in der Jackentasche. Das Ding wurde erst in der Reinigung des White House wiedergefunden.

 

- Ronald Reagan wurde am 30. März 1981 vor dem „Hilton“-Hotel in Washington durch John Hinckley Jr. angeschossen und in die Notaufnahme des George Washington University Hospitals gebracht. Dort nahmen ihm die Ärzte seine Jacke ab, in der sich die Atomkodes befanden. Alles landete in einer Plastiktüte, von der später niemand richtig wusste, wem sie gehörte und was sich darin befand.

 

- Bill Clinton trug seine Authorisierungskarte in seinem Portemonnaie neben seinen Kreditkarten. In den neunziger Jahren verschlammte er einmal seine Karte, hielt dies aber über Wochen geheim. Erst als der Kode erneuert und die Karte ausgetauscht werden sollte, musste Clinton den verdutzten Generälen mitteilen, dass er seine alte Karte verlegt hatte. Über Wochen hinweg waren die US-Atomstreitkräfte somit nicht einsatzbereit gewesen. (39)

 

National Command Authority

 

Im Umgang mit Atomwaffen gilt prinzipiell die two-man-rule: Bei jedem Dienst an oder mit einer Atomwaffe müssen immer zwei Soldaten zugegen sein, die sich gegenseitig kontrollieren. Die einzige Ausnahme bildet der US-Präsident, der alleine die gesamte Verfügungsgewalt inne hat. So gibt es in dieser überaus existentiellen Frage auch keine politischen checks and balances.

 

Er wird sich im Kriegsfall – nach Möglichkeit - mit seinem Verteidigungsminister beraten, daher wird dieses Duo auch als die National Command Authority (NCA) bezeichnet, allerdings hat der Verteidigungsminister kein Veto-Recht.

 

Nachfolgeregelung

 

Gerade wegen der herausgehobenen Stellung des Präsidenten war es notwendig, die Frage seiner Nachfolge im Falle seines Todes vorab zu klären. Im Rahmen seiner Politik zur Continuity of government (COG) bestimmte der US-Congress 1947, dass der direkte Amtsnachfolger des Präsidenten dessen Vize-Präsident sei solle. Sollte dieser ebenfalls umkommen oder versterben, ginge die Befehlsgewalt auf den Speaker of the House of Representatives und danach auf den President pro term of the Senate über. Neun wichtige Kabinettsmitglieder vervollständigen die Liste der verfassungsmäßig autorisierten Amtsnachfolger.

 

Gesetzliche Grundlage für die Nachfolgeregelungen bei den Bundesbehörden ist gegenwärtig die National Security Presidential Directive 51 (NSPD 51)/ Homeland Security Presidential Directive 20 (HSPD 20) vom 9. Mai 2007. (40)

 

Das COG-Programm wird einmal jährlich in einer Stabrahmenübung Exercise Eagle Horizon (EH) durchgeprobt. Die letzte Übung fand 2015 statt. (41)

 

Pershing 1A: Programmier- und Prüfstation (PTS). Links oben das Launch Control Panel für den Raketenabschuss. Das Launch Control Panel wurde mit einem Schloß gesichert, zu dessen Schlüssel hatten nur die US-Soldaten Zugang. (Luftwaffenmuseum Berlin, 2017)


Das US-Atomarsenal

 

Das US-Atomarsenal wird vom US Strategic Command (STRATCOM) kommandiert¸ dessen Befehlshaber ist z. Zt. General John E. Hyten. (42) Das Hauptquartier des STRATCOM befindet sich auf der Offutt AFB in Nebraska. (43) Dieses ist für die Führung, Ausrüstung, Verwaltung, Ausbildung und Planung aller US-Atomwaffen aller US-Teilstreitkräfte zuständig. Im Gegensatz zum alten Strategic Air Command (SAC) aus der Zeit des Kalten Krieges ist STRATCOM aber nicht nur für die Atomwaffen, sondern auch noch für die Raketenabwehr und den Cyberwar zuständig.



Pershing 1A: Programmier- und Prüfstation (PTS) - unterer Teil.

Das Atomarsenal ist aus sehr unterschiedlichen Atomsprengkörpern und den dazugehörigen Trägersystemen zusammengesetzt, die sich u. a. nach Sprengkraft und Reichweite unterscheiden. Das Gesamtpotential (ohne Reserven und Altbestände) umfasst heutzutage 1.740 Atomsprengköpfe an Bord von rund 800 Trägersystemen (Interkontinentale Landraketen, U-Boot-Raketen und Bomber bzw. Jagdbomber). Schätzungsweise 1.590 Sprengköpfe sind in den USA stationiert, rund 150 Flugzeugbomben für (Jagd-)Bomber lagern in fünf europäischen Staaten (Niederlande, Belgien, Deutschland, Italien und Türkei). In jedem der genannten Länder gibt es ein US-Atomwaffendepot, so in Büchel in der Eifel.



Pershing 1A: Remote Firing Box. Der Stahlbehälter ist mit einem Schloß gesichert. Den Schlüssel dazu besaßen ausschließlich die US-Soldaten. (Luftwaffenmuseum Berlin, 2017)

Dem STRATCOM ist das Air Force Global Strike Command (AFGSC) mit Hauptquartier auf der Barksdale AFB bei Shreveport (Louisiana) nachgeordnet. (44) Es wird z. Zt. von General Robin Rand kommandiert. Ihm unterstehen die Twentieth Air Force mit den landgestützten Raketen mit interkontinentaler Reichweite und die Eighth Air Force mit ihren mobilen atomaren oder konventionellen Bombergeschwadern. (45)

 

Zur Zeit besitzt die US-Air Force (USAF) noch ca. 400 Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic Missile - ICBM) vom Typ LGM-30 G Minuteman III. An der Spitze dieser hochfliegenden Raketen befindet sich ein „bus“, der in der Wiedereintrittsphase in die Erdatmosphäre einen oder mehrere Sprengkörper ausstößt, so dass jede Rakete entsprechend viele Ziele angreifen kann. Ein Teil der Minuteman III ist wohl noch mit dem älteren Mk-12A (Mk = Mark) ausgestattet, der in der Regel nur einen, aber in Einzelfällen auch bis zu drei Atomsprengköpfe vom Typ W78 (W = Warhead) befördert, die jeweils eine Sprengkraft von 335 Kilotonnen (zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von ca. 12 Kilotonnen) befördert. Die moderneren Varianten tragen einen Mk-21/SERV-Bus, der „nur“ einen Sprengkopf W87 mit einer Sprengkraft von 300 KT ins Zielgebiet befördert.

 

Dieses Waffenarsenal ist auf drei Geschwader bzw. Basen mit jeweils 133 Raketen verteilt. Jedes Raketengeschwader besteht aus 3 Staffeln, die jeweils über 5 Abschussbunker (Launch Control Center – LCC) verfügen: 90th Missile Wing (mit den 319th, 320th und 321st Missile Squadrons) auf der Francis E. Warren AFB bei Cheyenne in Nebraska, 91st Missile Wing (740th, 741st und 742nd Missile Squadron) auf der Minot AFB in North Dakota und der 341st Missile Wing (10th, 12th und 490th Missile Squadron) auf der Malmstrom AFB in Montana. (46)

 

Die US Navy (USN) verfügt über vierzehn Atom-U-Boote (Submarine Ballistic Missile – SSBN oder „boomer“) der Ohio-Klasse. Sie unterstehen dem US Fleet Forces Command (FLTFORCOM) in Norfolk (Virginia) unter dem Kommando von Admiral Philip S. Davidson. Von den Submarines sind zwölf einsatzfähig, zwei Boote befinden sich zur Überholung ständig auf einer Werft: SSBN-730 Henry M. Jackson, SSBN-731 Alabama, SSBN-732 Alaska; SSBN-733 Nevada, SSBN-734 Tennessee, SSBN-735 Pennsylvania, SSBN-736 West Virginia, SSBN-737 Kentucky, SSBN-738-Maryland, SSBN-739 Nebraska, SSBN-740 Rhode Island, SSBN-741 Maine, SSBN-742 Wyoming und SSBN-743 Louisiana. (47)

 

Diese U-Boote sind mit Sea-Launched Ballistic Missiles (SLBMs) ausgestattet. Es handelt sich pro Boot um jeweils ca. zwanzig Raketen vom Typ Lockheed Martin UGM-133A TRIDENT II D5. Von dieser Atomrakete gibt es ebenfalls zwei Varianten: Einige Raketen tragen einen Mk-4A-Bus, der eins bis acht Atomsprengköpfe vom Typ W76-1 mit einer Sprengkraft von jeweils 100 KT befördert. Die übrigen Raketen sind mit dem moderneren Mk-5 mit jeweils eins bis acht Atomsprengköpfen vom Typ W88 mit jeweils 455 KT ausgerüstet.

 

Von den insgesamt vierzehn Atom-U-Booten sind acht der Task Force 134 (TF-134) in der Naval Base Kitsap im Pazifikhafen Bangor (US-Bundesstaat Washington) unterstellt, sechs Boote gehören zur TF-144 der Atlantikflotte und haben ihren Stützpunkt in Kings Bay (Georgia). Ständig patrouillieren fünf Boote in ihrem Abschussgebiet, von wo sie ihre Raketen starten sollen. Im Oktober 2016 „besuchte“ ein Atom-U-Boot der Ohio-Klasse den amerikanischen Kriegshafen auf Guam, es war der erste derartige Besuch seit 1988 und diente der US-Drohpolitik gegenüber Nordkorea. (48)

 

Zum Bomberbestand der US-Air Force gehören u. a. 44 nuklearfähige Boeing B-52 H Stratofortress, die schon in den fünfziger Jahren gebaut wurden. Sie wurden mehrfach modernisiert und sind heute mit schätzungsweise 300 Marschflugkörpern (Air-Lauched Cruise Missiles - ALCMs) AGM-86B ausgerüstet, die einen Atomgefechtskopf vom Typ W80-1 mit einer variablen Sprengkraft von 5 bis 150 KT mitführen. Diese Bomber sind stationiert auf der Barksdale AFB in Louisiana (2nd Bomb Wing mit der 11th „Mr. Jiggs“, 20th „Buccaneers“ und 96th „Red Devils“ Bomb Squadron) und auf der Minot AFB in North Dakota (5th Bomb Wing mit der 23rd und der 69th „Nighthawks Bomb“ Squadron).

 

Hinzu kommen 16 nuklearfähige Stealth-Bomber vom Typ Northrop Grumman B-2 Spirit, die mit Wasserstoffbomben der Typen B61-7, B61-11 oder B83-1 (B = Bomb) ausgestattet werden können. Diese Bomber sind auf der Whiteman AFB in Missouri disloziert und gehören zum 509th Bomb Wing mit den beiden Staffeln 13th und 393rd Bomb Squadron.

 

Außerdem besitzt die US-Air Force noch Schwenkflügelbomber Rockwell B-1B Lancer, die früher für Atomwaffeneinsätze vorgesehen waren aber heute „nur“ noch mit konventionellen Bomben ausgestattet sind.

 

In Europa sind für die US- bzw. NATO-Luftstreitkräfte rund 150 Wasserstoffbomben der Typen B61-3, B61-4 und stationiert. Sie können u. a. durch den Mehrzweckbomber MRCA Tornado der Bundesluftwaffe eingesetzt werden.

 

Hinzu kommt ein Reservebestand an mehreren tausend, z. T. veralteten Atomsprengkörpern u. a. im Kirtland Underground Munitions Maintenance and Storage Complex auf der Kirtland AFB bei Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico.

 

Am 22. Dezember 2016, also noch vor seinem offiziellen Amtsantritt, kündigte Donald Trump einen weiteren Ausbau der US-Atomstreitkräfte an: „The United States must greatly strengthen and expand its nuclear capabilities until such time as the world comes to its senses regarding nukes.“ Und am folgenden Tag ergänzte der designierte Präsident, dass er ein atomares Wettrüsten bewußt in Kauf nähme: „Let it be an arms race. We will outmatch them at every pass. And outlast them all.“

 

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die US-Regierung im September 2017 beschloss, dass der kommende Militärhaushalt von Oktober 2017 bis September 2018 rund 700.000.000.000 Dollar betragen soll.

 

FOOTBALL

 

Da niemand den Zeitpunkt vorab wissen kann, wann der Präsident einen Einsatzbefehl erteilen wird, wird er seit Anfang der sechziger Jahre ständig von einem von mehreren Presidential Military Aides im Range eines Majors begleitet. Diese Soldaten stammen von der Defense Communications Agency und wurden eigens zur White House Communications Agency (WHCA) abgestellt. Insgesamt handelt es sich um eine Crew aus fünf Soldaten, die sich gegenseitig ablösen. Aus Prestigegründen sind alle Teilstreitkräfte (Army, Air Force, Navy, Marine Corps) vertreten. Sie tragen den Kommandokoffer nicht nur dem Präsidenten hinterher, sondern müssen ihn – im Falle eines Falles – in der Bedienung und Entscheidungsfindung unterstützen.

 

Der diensthabende Offizier trägt dem Präsidenten ständig den Kommandokoffer President`s Emergency Satchel, der besser bekannt ist unter dem Kodenamen FOOTBALL. Es handelt sich um einen überdimensionierten Aktenkoffer der Marke „Zero Halliburton“ aus Aluminium mit einem Überzug aus schwarzem Leder. Der kugelsichere Koffer hat ein Gewicht von 18 bis 20 Kilogramm. Er wird außen durch drei Schlösser gesichert. Er enthält die notwendigen Planungsunterlagen und die entsprechende Krypto- bzw. Fernmeldetechnik.

 

Hält sich der Präsident im Weißen Haus auf, kann er den Befehl von seinem Oval Office-Dienstzimmer im Erdgeschoss aussenden, oder er sucht dazu den unterirdischen Bunker des Weißen Hauses auf. Ist er auf Reisen kann er den Befehl von seinem VIP-Transportflugzeug Boeing E-4 oder seiner gepanzerten Limousine „The Biest“ aus absenden. Selbst bei Staatsbesuchen in der Sowjetunion/Russland befindet sich der FOOTBALL immer in der Nähe des Präsidenten, damit der US-Präsident vom Kreml aus sein Gastland vernichten kann – und sich selbst. Außerdem hat sein Gastgeber, der russische Präsident Wladimir Putin, ebenfalls einen Kommandokoffer mit dem Kodenamen TSCHEGET. Der ist genauso schön, enthält die gleiche Fernmeldetechnik und ähnliche Entscheidungsunterlagen, nur die Zielliste ist anders.

 

Es gibt mehrere Anekdoten darüber, dass der zuständige Begleitoffizier, obwohl er eigentlich einen festen Platz im Präsidententross hat, bei Inlands- oder Auslandsreisen vorübergehend verlorengegangen ist: Als er Präsident Gerald Ford Mitte der siebziger Jahre nach Frankreich begleitete, vergaß Major Bob Barrett den Koffer am Pariser Flughafen. Ein Agent des Secret Service stellte den Koffer sicher, hetzte der Fahrzeugkolonne des Präsidenten hinter und übergab ihn schließlich - während der Fahrt von Fahrzeug zu Fahrzeug - an Barrett.

 

Ein zweiter Ersatzkoffer ist im White House ständig deponiert. (49)

 

Um den Kode zu übertragen, ist der Koffer mit einem abhörsicheren Telefon und einer einklappbaren Funkantenne ausgestattet.

 

Zum Inhalt des FOOTBALL gehören:

 

- das President`s Decision Book, das auch als „Black Book“ bekannt ist. Auf rund 75 Seiten (30 x 23 cm) enthält es in schwarz-rotem Druck alle vorgeplanten Angriffsoptionen, aus denen der Präsident in eigener Machtvollkommenheit eine oder mehrere auswählen kann,

 

- ein Verzeichnis namens Emergency Procedures White House, das Handlungsanweisungen und Hilfestellungen in Notfällen aller Art umfasst. Es wird vermutet, dass dieses Verzeichnis Maßnahmen zur Sicherung des Fortbestandes der Regierung (Nachfolgeregelungen, Notfallbefugnisse usw.) beschreibt und erläutert das präsidiale Kommunikationssystem (Emergency Alert System – EAS), um gegebenenfalls die US-Bevölkerung zu informieren,

 

- ein Verzeichnis der Standorte sicherer Atombunker in den USA und (geheimer) US-Atomwaffenstandorte,

 

- eine Beschreibung des Emergency Broadcast Systems (acht bis zehn Seiten),

 

- die go-codes. (50)

 

Als Richard Nixon 1969 Präsident wurde, gab es für ihn im Wesentlichen drei verschiedene Angriffsoptionen: ALPHA (Angriff auf die sowjetischen Atomwaffenbasen), BETA (Angriff auf zweitklassige militärische Ziele) und CHARLIE (Angriff auf sowjetische Städte und Industrieanlagen).

 

Bei einer Überarbeitung des damaligen Atomkriegsplanes (Single Integrated Operational Plan – SIOP) im Jahre 1974 wurde das Einsatzspektrum flexibler gestaltet. Seitdem wurde grundsätzlich unterschieden zwischen größeren Major Attack Options (MAOs), Selected Attack Options (SAOs) und kleineren Limited Nuclear Options (LNOs). Diese Optionen wurden weiter aufgesplittert:

 

- MAO-1: Angriff gegen (nukleare) Militärbasen in der Sowjetunion und Osteuropa

 

- MAO-2: Angriff gegen nukleare und konventionelle Militärbasen, politische Zentren und Städte

 

- MAO-3: Militärziele in der Volksrepublik China

 

- MAO-4: neben militärischen Zielen auch Städte und wirtschaftliche Zentren, die für den potentiellen Wiederaufbau des Landes nach einem atomaren Schlagabtausch von strategischer Bedeutung wären

 

- SAO-1: strategische sowjetische Atomwaffen

 

- SAO-2: ?

 

- SAO-3: ?

 

- SAO-4: sowjetische konventionelle Streitkräfte, die gegen die NATO gerichtet waren

 

- LNO-1: ?

 

- LNO-2: ?...

 

- LNO-65: ?

 

Außer Russland können auch noch andere Staaten ([zeitweise VR China, später in die MAOs bzw. SAOs übernommen], Nordkorea, Iran, etc.) im Rahmen von so genannten Regional Nuclear Options (RNOs) zerstört werden.

 

Die Wahl der „richtigen“ Option hing anscheinend auch von der Einstellung der entsprechenden Eskalationsstufe ab. Die FOOTBALL-Eskalationsstufen waren der Steakhouse-Terminologie entnommen: „rare“, „medium“ und „well done“.

 

Als potentielle Angriffsziele kamen folgende Zielkategorien in Frage:

 

1. die russische Staats-, Regierungs- und Militärspitze im Rahmen eines Enthauptungsschlag (decaptation strike),

 

2. die russischen Nuklearstreitkräfte im Rahmen eines counter-force-strikes,

 

3. die konventionellen Streitkräfte Russlands,

 

4. ökonomische oder industrielle Ziele im Rahmen eines counter-value-strikes

 

Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 ließ die damalige Bush-Regierung ihre Kriegsplanung im Rahmen der Phoenix Study überarbeiten und reduzierte die Zielliste auf zunächst 2500 Objekte in der UdSSR.

 

Nach der Jahrtausendwende wurde der alte Atomkriegsplan SIOP überarbeitet. Im Jahr 2003 folgte der Operations Plan 8044 (OPLAN 8044) Dabei wurden weitere Änderungen vorgenommen, die nicht genau bekannt sind. Jedenfalls wurde für die Einsatzoptionen eine neue Taxonomie eingeführt:

 

- Emergency Response Options (ERO),

 

- Selected Attack Options (SAO),

 

- Basis Attack Options (BAO),

 

- Directed/Adaptative Planning Options (DPO/APO).

 

Als potentielle Angriffsziele kommen nun folgende Zielkategorien in Frage:

 

1. Military forces,

 

2. WMD infrastructure (= Counterproliferation-Angriffe gegen Weapons of Mass Destruction),

 

3. Military and national leadership,

 

4. War supporting infrastructure (ein sehr schwammiger Begriff),

 

5. auch non-state-terror-organizations wurden in die Zielliste aufgenommen.

 

Angesichts der kurzen Flugzeit der Raketen, die von U-Booten vor der amerikanischen Küste abgefeuert werden könnten, hat der Präsident im Falle eines tatsächlichen oder vermeintlichen Atomangriffs auf die USA rund sechs Minuten für eine Entscheidungsfindung Zeit. Bei einem Angriff mit Interkontinentalraketen mit einer Flugzeit von insgesamt rund dreißig Minuten tritt zunächst die Missile Threat Conference (MTC) im T-Tank der Joint Chiefs of Staff zu einer kurzen Konferenz zusammen, um die Echtheit der Bedrohung einzuschätzen. Erst danach wird der Präsident informiert, dem dann noch fünfzehn Minuten für eine Entscheidungsfindung Zeit bleiben. In diesen kurzen Zeiträumen kann er sich nur mit seinen engsten Berater aus dem Stab des Weißen Hauses, dem Verteidigungsminister und dem diensthabenden Offizier der JCS beraten. Es gilt, keine Zeit für humanitäre Grundsatzdiskussionen, irgendeine politische Debatte oder juristische Abwägungen. Der frühere CIA- und NSA-Direktor Michael Hayden erklärte dazu im August 2016: „The system is designed for speed and decisiveness. It's not designed to debate the decision." (51)

 

Der Präsident kann einen Atomangriff als Reaktion auf einen (russischen) Atomangriff befehlen. Wenn er sich für ein Launch-on-Warning (LOW) entscheidet, werden die US-Atomwaffen gestartet, sobald die Frühwarnsysteme einen feindlichen Raketenangriff melden. In diesem Fall besteht das Risiko, dass der Alarm nur durch eine technische Fehlfunktion der Radarsysteme ausgelöst wurde, die USA also „zurückschlagen“ ohne dass überhaupt ein Angriff real stattfindet. Um dieses Risiko auszuschließen, kann sich der Präsident für Launch-under-Fire (LUF) entscheiden, dann werden die US-Atomwaffen erst abgefeuert, nachdem bereits die ersten feindlichen Atomsprengkörper auf US-Territorium explodiert sind. In diesem Fall riskiert der Präsident, dass ein Teil seiner Atomwaffen am Boden zerstört wurde, bevor er sie einsetzen konnte. Ein aggressiver US-Präsident kann seine Atomwaffen auch offensiv als erstes einsetzen. In diesem Fall spricht man von einem Ersteinsatz („first use“). Ist dieser Angriff – theoretisch - so umfangreich, dass dabei das gegnerische Atompotential fast vollständig vernichtet wird, spricht man von einem Erstschlag („first strike“). Der US-Präsident kann einen solchen Ersteinsatz/Erstschlag auch befehlen, um einem unmittelbar bevorstehenden gegnerischen Atomschlag durch einen Präemptivschlag (pre-emptive strike) zuvorzukommen. Hier gilt das (zynische) Motto: „Wer als erster schießt, stirbt als zweiter.“ Besteht eine solche unmittelbare Angriffsdrohung nicht, würde sich aber das Kräfteverhältnis in Zukunft zu seinen Ungunsten voraussichtlich verschlechtern, so könnte sich der US-Präsident zu einem Präventivkrieg (preventive strike) genötigt sehen.

 

Nachdem er sich entschieden hat, übersendet der Präsident seinen Angriffsbefehl, die so genannte Emergency Action Message an die US-Militärspitze. Wo immer sich der US-Präsident befindet, im Endeffekt landet der präsidiale Angriffskode via FOOTBALL und den angeschlossenen Fm-Systemen im National Military Command Center (NMCC) des US-Generalstabs (Joint Chief of Staff – JCS) im National Defense Building in Washington D. C..

 

In Sinne der Nachfolgeregelung hat der Vize-Präsident schon in Friedenszeiten einen eigenen atomaren Kommandokoffer FOOTBALL und eine eigene Authentisierungskarte.

 

- Präsident Jimmy Carter fand die Anweisungen aus dem Black Book viel zu lang, wie der Atomwaffenexperte und ehemalige Minuteman-Raketenoffizier Bruce Blair 2017 berichtete:

 

„Jimmy Carter war bei seinem Amtsantritt zum Beispiel genervt davon, dass die Broschüren im Koffer aus seiner Sicht viel zu lang waren. Er hat deshalb eine Ein-Seiten-Version in Auftrag gegeben, die einem Comic ähnelt. Option eins, Option zwei, Option drei. So in der Art. Diese Version gibt es meines Wissens immer noch.“ (52)

 

- George Walker Bush Jr. soll den Koffer tatsächlich einmal benutzt haben. Da der FOOTBALL fundamentale Informationen über die COG-Regelungen enthielt, wurde er nach den Terroranschlägen der al-Qaida am 11. September 2001 benutzt. (53) So konnte sich Bush mit Vizepräsident Dick Cheney im Bunker des Weißen Hauses und dem stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz im Bunker Mont Weather abstimmen.

 

Emergency Action Message (EAM)

 

Im Falle eines Falles trifft der Präsident seine militärpolitische Entscheidung über Art, Umfang und Zeitpunkt eines amerikanischen Atomwaffeneinsatzes – sei es als erster Schlag im Falle eines US-Angriffs oder als Zweitschlag in dem Fall, dass die USA bzw. ihr Territorium nuklear angegriffen werden. Der entsprechende Einsatzbefehl ist als Emergency Action Message (EAM) bekannt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ausschließlich um den präsidialen Angriffsbefehl, vielmehr handelt es sich bei der EAM um ein funkmäßiges Spruchformat, in dem der atomare Angriffsbefehl oder andere Befehle abgefasst werden. Der atomare Angriffsbefehl selbst wird – zumindest inoffiziell – als „go-code“ bezeichnet.

 

In dem Handbuch der US-Air ForceAFM-01-1-18“ vom 1. Januar 1990 sind EAMs wie folgt umschrieben:

 

"Joint Chiefs of Staff Emergency Action Messages (EAMs) contain key instructions or information from high level authority and have predetermined formats (pro forma). Such messages are transmitted by various communications systems and normally carry FLASH precedence. They are vital messages of an extremely time-sensitive nature, and rapid processing is mandatory to obtain the fast reaction required by their content. Usage and handling procedures are of the highest classification and have been issued by the JCS only to those who have a need to know." (AFM-01-1-18, sub 3; amended 01 Jan 1990)." (54)

 

Es handelt sich um einen mehrstelligen Kode, der sich aus den 26 Buchstaben des amerikanischen Alphabets und den Ziffern 1 bis 0 zusammensetzt. Der gesamte Kode setzt sich aus drei Elementen zusammen: den golden-code, der den aktuellen Sender als US-Präsident identifiziert, eine aktuelle Zeitgruppe und einen weiteren go-code, der den eigentlichen Angriffsbefehl mit den nötigen Informationen zur Ziel- und Waffenauswahl des Präsidenten enthält.

 

Eine EAM beginnt mit einer gemischten Zahlen/Buchstabengruppe, einem so genannten „alpha-numeric-string“. Diese Gruppe, die „preamble“ oder „trailer“ genannt wird, besteht aus sechs Zeichen, dabei wird die Gruppe zweimal wiederholt. Anschließend folgt der eigentliche Text, der zwischen 30 und 200 Zeichen oder mehr umfassen kann. Dieser wird einmal wiederholt. Zum Schluss wird mit der Meldung „Mainsail Out“ die EAM beendet. (55)

 

Beispielsweise wurde am13. Januar 2014 folgende EAM mitgehört:

 

“G5RTZN G5RTZN G5RTZN stand by, message follows   
G5RTZNMERFOBIV4EDDS3V6MZTHWMTX I say again 
G5RTZNMERFOBIV4EDDS3V6MZTHWMEX this is mainsail out”

 

Da es sich bei dem Angriffsbefehl um einen Geheimkode handelt, ist für seine Kryptographie der militärische Nachrichten- und Abhördienst National Security Agency (NSA) in Fort George G. Meade (Maryland), die z. Zt. von dem Direktor (DIRNSA) Admiral Michael S. Rogers geführt wird, verantwortlich. Dieser Abhördienst ist nicht für die Kryptoanalyse ausländischer Regierungskodes im Rahmen seiner Signal Intelligence (SIGINT) zuständig, er leistet mit seinem Defense Special Missile and Astronautical Center (DEFSMAC) auch seinen Beitrag zur Frühwarnung vor gegnerischen Raketenangriffen, indem er entsprechende Signale auffängt. Darüber hinaus ist die NSA für die Kryptographie der atomaren US-Regierungskodes zuständig und wacht im Rahmen ihrer Communications Security (COMSEC) über deren Sicherheit. Dies betrifft insbesondere die EAMs bzw. go-codes. Dazu werden verschiedene Maßnahmen getroffen: cryptosecurity, transmission security (TRANSEC), emission security (EMSEC) und physical security. (56) Jede Woche werden die Nuklearkodes ausgetauscht:

 

“Nuclear code books for use in the event the United States orders a nuclear strike are produced about four times a month, compared with nearly every day during the 1991 Persian Gulf War.

 

The book is in a sealed plastic pouch that has a unique pattern of pink splotches and is puffy because of air inside.

 

If there is any change in the package, such as the amount of air inside or the design of the splotches, which is videotaped before being sent out, the codes are considered compromised.

 

"We'll go back and see if the splatter diagram is the same. We've got a video of the package," said Dan Shirko, chief of publishing.

 

The nuclear code books are in the hands of nearly 1,000 people, mostly military officers, such as pilots and sailors on submarines and battleships.” (57)

 

Als amerikanischer Nachrichtendienst ist die NSA selbst das Ziel von Penetrationsversuchen der russischen Geheimdienste, in wie weit dies Auswirkungen auf die Generierung der US-Atomkodes hat ist nicht bekannt.

 

Die EAM-Meldungen werden immer wieder von Funkamateuren aufgefangen und aufgezeichnet. Auf „Youtube“ sind gleich mehrere Audio- bzw. Video-Dateien verfügbar, die die Übertragung einer EAM zeigen. (58)

 

Ein präsidialer Angriffsbefehl richtet sich in erster Linie an die Stabsabteilung J-3 des Office of the Joint Chiefs of Staff (OJCS/J-3) im Pentagon mit seinem National Military Command Center (NMCC), das auch als „war room“ bekannt ist.

 

Um die technischen Übertragungswege zu testen findet alle drei Monate die Stabsrahmenübung POLO HAT statt.

 

Die militärische Kriegsmaschinerie

 

- Verbunkerte Kommandostände

 

-- Der US-Präsident

 

Wo immer sich der Präsidenten befindet, er kann von jedem Ort einen Angriffsbefehl erteilen:

 

- Oval Office im White House,

 

- Presidential Emergency Operations Center (PEOC), eine Notfallkommandozentrale unter dem East Wing des Weißen Hauses. Von hier aus führte Vize-Präsident Dick Chenney beim Terrorangriff am 11. September 2011 die Regierungsgeschäfte. (59)

 

- White House Situation Room (SITROOM), dieses Lagezentrum besteht aus drei bis acht Räumen mit einer Gesamtfläche von 513 qm. Der SITROOM ist rund um die Uhr von fünf sich abwechselnden sogenannten „Watch Teams“ besetzt, die die nationalen und internationalen Geschehnisse überwachen. Jedes dieser Teams besteht generell aus je drei Offizieren, einem Kommunikationsassistenten und einem Nachrichtendienstanalysten. (60)

 

- seine gepanzerte Limousine Presidential State Car vom Typ Lincoln „Cadillac“ („The Beast“, Kodename STAGECOACH) des US Secret Service (USSS), (61)

 

- sein VIP-Transporthubschrauber – entweder ein Sikorsky SH-3 Sea King oder der neuere Sikorsky VH-60N White Hawk (Rufname: MARINE ONE) von der Marine Helicopter Squadron One HMX-1 „Nighthawks“,

 

- eines von zwei VIP-Transportflugzeugen vom Typ Boeing VC-25A, eine militarisierte Luxusversion des „Jumbo Jets“ (Seriennummern: 28000 und 29000), die besser bekannt sind unter ihrem Rufnahmen AIR FORCE ONE.

 

- Im Kriegsfall steht dem Präsidenten eine Boeing E-4B National Airborne Command Center (NAOC) zur Verfügung. Bei diesem Flugzeug handelt es ebenfalls um eine militärische Spezialversion des „Jumbo Jets“ mit einem Kampfstab an Bord. Insgesamt gibt es von diesem Spezialflugzeug vier Stück. Die anderen Exemplare stehen dem Verteidigungsminister und dem Generalstab zur Verfügung.

 

- Außerdem stehen der Regierung mehrere unterirdische Bunkerkomplexe zur Verfügung. So das Mount Weather Emergency Assistance Center (früherer Kodename HIGH POINT) bei Bluemont (Virginia). Dessen laufende Bunkerbesatzung besteht aus rund 240 Mann. Ein weitere Bunker trägt die Kodebezeichnung SPARK.

 

Für die Evakuierung der Regierungsmitglieder gibt es den Joint Emergency Evacuation Plan (JEEP), die Kodebezeichnung für die Maßnahmen lautete zumindest früher TREE TOP. COG-Übungsserien waren bzw. sind FLASH BURN, FORWARD CHALLENGE, JACK POT, LOG TREE, LOG HORN, NINE LIVES, PINE RIDGE, SAGE BRUSH, SKI JUMP, SNOW FALL, SNOW STORM, SOUTHERN PINE, SURF BOARD, TIDE GLOBE und TIMBER LINE.

 

-- Joint Chiefs of Staff

 

Das Pentagon ist der Sitz des US-Verteidigungsminister (Secretary of Defense – SecDef), des Vereinigten Generalstabs mit den Oberbefehlshabern der Teilstreitkräfte (Joint Chiefs of Staff - JCS) und des ministerialen Behördenapparats. Neben dem SecDef haben auch die JCS ihre Büros, den so genannten joint floor, auf der Seite des Pentagons, die dem Fluss Potomac zugewandt ist.

 

Das Pentagon besitzt eine unterirdische Kommandozentrale, die aber nicht gegenüber einem Atomangriff gehärtet ist – das National Military Command Center (NMCC) des US-Generalstabs. Sollte das NMCC ausfallen steht mit dem Alternate National Military Command Center (ANMCC), das auch unter dem Kodenamen Site R bekannt ist, ein Ausweichgefechtsstand im Raven Rock-Gebirge bei Blue Ridge (Pennsylvania) zur Verfügung. In den achtziger Jahren betrug dessen Stammbesatzung rund 350 Mann.

 

Jede präsidiale EAM landet prinzipiell beim Office of the Joint Chiefs of Staff – Section J-3 (OJCS/J-3). Wird dieser Generalstabsabteilung wird der präsidiale Kode identifiziert und überprüft. Dies erfolgt nach dem „challenge response“-Verfahren: Der diensthabende Offizier liest dem Präsidenten eine bestimmte Zeichenfolge vor, i. d. R. zwei Buchstaben aus dem Fernmeldealfabet (Alfa, Bravo, … Zulu), und der Präsident muss das passende Äquivalent dazu liefern. Ist dies der Fall, ist der Präsident als solcher identifiziert. Anschließend gibt der diensthabende Offizier den vom Präsidenten empfangenen Angriffskode gemäß der Befehlskette über das so genannte „golden phone“ an das HQ STRATCOM weiter, gleichzeitig werden alle Ebenen der Atomstreitkräfte (Luftflotten, Geschwader, Staffeln, Waffencrews) alarmiert. Dieser Kode hat eine Gesamtlänge von circa 150 Zeichen. Diese Befehlsübertragung dauert bis zu einer Minute.

 

Zur Erklärung der Abfolge haben die JCS ein internes Handbuch herausgegeben, dass in einer sanitisierten Form öffentlich zugänglich, bei dem aber nur noch die Kapitelüberschriften nicht geschwärzt wurden – der Rest ist streng geheim. (62)

 

Die höchste Ebene der Entscheidungsfindung für den Fall eines sowjetischen/russischen Atomangriffs auf die USA wird in den geheimen Stabsrahmenübungen NIGHT BLUE „durchgespielt“.

 

STRATCOM

 

Die Atomstreitkräfte unterstehen dem US Strategic Command (STRATCOM) mit Sitz auf der Offutt AFB in Nebraska. Dessen Hauptquartier ist das Strategic Command Command Center. Dieses unterhält einen unterirdischen Gefechtsstand, den Underground Command Complex, der sich über drei Stockwerke verteilt. Er wird inoffiziell auch „molehole“ genannt. Der eigentliche Gefechtsstand in diesem unterirdischen Komplex ist der Commanders Situation Room (CSR), der frühere „war room“, mit drei Stuhlreichen und einem Balkon für den befehlshabenden Commander (CDRUSSSTRATCOM). Der Stab des STRATCOM besteht aus nicht weniger als zehn Abteilungen. Als Chef des Stabes amtiert z. Zt. Generalmajor Daniel L. Karbler; für die Operationsführung ist Abteilung J3 Global Operations unter dem Kommando von Rear Admiral Daniel H. Fillion zuständig. Die Aufklärungsabteilung J2 Intelligence wird von Rear Admiral Curt Copley geführt. Ein wichtiger Zuträger im Konflikt mit Nordkorea ist die 694th Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Group (694 ISRG) auf dem Fliegerhorst Osan AB in Südkorea mit ihrer 6th Intelligence Squadron und ihrer 303rd Intelligence Squadron Skivvy Nine. Sie sind Teil des Korean Combined Operations and Intelligence Center (KCOIC).

 

Vom HQ STRATCOM gibt der diensthabende Offizier (senior controller) den Einsatzbefehl nochmal an die rund 200 unterstellten Kampfeinheiten weiter, die diesen aber schon vom Pentagon direkt erhalten haben. Dazu steht ihm u. a. das JCS Alerting Network (JANET) zur Verfügung. Neben dem CSR befindet sich die Fernmeldezentrale, das Global Operations Center (GOC). (63)

 

Sollte das HQ STRATCOM zerstört sein, gibt es im Cheyenne Mountain, dem früheren Hauptquartier der US-Luftverteidigung, einen Ausweichgefechtsstand. Dieser ist derzeit unter der Bezeichnung CINC Mobile Alternate Headquarters (CMAH) bekannt. (64)

 

- Fernmeldesysteme

 

Um die Verfügungsgewalt und militärischen Befehlsstränge selbst unter Atomkriegsbedingungen noch sicherzustellen, haben die US-Streitkräfte seit Beginn des Kalten Krieges viel Energie in dem Aufbau eines funktionsfähigen Kommando- und Kontrollsystem (Command, Control, Communications, Computer, Intelligence and Surveillance – C4ISR) bzw. Nuclear Command, Control and Communications (NC3) investiert.

 

Es handelt sich um ein Geflecht sich überlappender und ergänzender, mehr oder weniger überlebensfähiger Kommunikationssysteme, die sicherstellen sollen, dass auch nach einem feindlichen Atomangriffs mit umfassenden Zerstörungen noch ein erheblicher Teil der US-Atomstreitkräfte – wenn auch zeitlich verzögert – durch das Post-attack Command and Control System (PACCS) zu einem Gegenangriff eingesetzt werden kann. Insgesamt handelt es sich schätzungsweise um rund drei Dutzend redundante (Sub-)Systeme. Dazu zählt das allgemeine militärische Kommunikationssystem Global Command and Control System – Joint (GCCS-J).

 

Speziell für die EAMs und andere wichtige Meldungen der Nuklearstreitkräfte („Skyking“ oder „Foxtrot Broadcasts“) wurde das High Frequency Global Communications System (HF-GCS) aufgebaut. Neben fünf Sendestationen (Rufname: Mainsail) in Europa gehören zum HF-GCS auch mindestens fünf Sender im pazifischen Raum: Yokota AB (Japan), Andersen AB (Guam), Hickam AFB (Hawaii), Elmendorf AFB (Alaska) und McClellan (Kalifornien). (65) Das HF-GCS versendet die EAMs etc. auf folgenden Frequenzen im Oberen Seitenband (USB), wo sie von jedermann mitgehört werden können: 4724, 6712, 6739, 8992, 11175, 13200 und 15016 KHz.

 

Zu den Kommando- und Kommunikationssystemen des US-STRATCOM gehört das Automated Command Control System (ACCS).

 

Die Kommunikation mit getauchten U-Booten stellt eine besondere Herausforderung dar, da Funkwellen nur schwer Wasser durchdringen können. Daher kommuniziert man mit den Submarines auf sehr niedrigen Frequenzen (Extremely Low Frequency – ELF). Diese stellen eine sichere Verbindung dar, aber die Übertragung einzelner Funksprüche dauert sehr lange, das müssen diese möglichst kurz gefasst sein.

 

Die Satelliten des Systems Military Strategic and Tactical Relay (MILSTAR) bilden ein bandbreitenbeständiges, weltweites Kommunikationssystem für Krisen- und Kriegszeiten. Es wird seit 2008 durch die Advanced Extremely High Frequency Satellites (AEHF) ergänzt bzw. nach und nach ersetzt.

 

Sollten die unterirdischen Hauptquartiere zerstört sein oder andere landgestützte Kommunikationssysteme ausfallen, können die Joint Chiefs of Staff ihre Kriegführung von Bord eines „fliegenden Gefechtsstands“ vom Typ Boeing E-4B National Airborne Command Center (NAOC) (frühere Bezeichnung: National Emergency Airborne Command Post [NEACP]) fortsetzten. Das Flugzeug ist auch unter der Kodebezeichnung NIGHTWATCH oder der populären Bezeichnung „doomsday aircraft“ bekannt. Es handelt sich um eine militärische Spezialversion der Boeing 747-200B „Jumbo Jet“. Insgesamt gibt es von diesem Spezialflugzeug vier Exemplare für den Präsidenten, den Verteidigungsminister und den US-Generalstab (Seriennummern: 73-1676, 73–1677, 74-0787 und 75-0125). Einschließlich der fliegenden Besatzung (vier Mann) gehören mindestens 59 Soldaten zum Stabspersonal an Bord. Die vier Maschinen werden von der 1st Airborne Command and Control Squadron (1st ACCS) auf der Offutt AFB betrieben.

 

Am 16. Juni 2017 wurden gleich zwei E-4B durch einen Tornado auf der Offutt AFB im Hangar beschädigt, da die Heckflossen herausragten. Über den genauen Umfang der Schäden und die Einsatzfähigkeit dieser beiden Maschinen ist zunächst nichts bekannt. (66)

 

Dem US-STRATCOM steht als fliegender Gefechtsstand zusätzlich ein Flugzeug vom Typ Boeing E-6B Mercury II Airborne Command Post (ABNCP) zur Verfügung, das auch unter der populären Bezeichnung „Looking Glass“ bekannt ist. Diese Spezialmaschine wird von der 595th Strategic Communications Squadron auf der Offutt AFB in Nebraska betrieben. Die Mannschaft an Bord ist die Missile Combat Crew -Airborne (MCC-A), die besser bekannt ist unter der Kurzbezeichnung „battle staff“. Über das Airborne Launch Control System (ALCS) können die Interkontinentalraketen gestartet werden, für den Fall das die Launch Control Center am Erdboden bereits durch gegnerische Atomwaffenschläge zerstört wurden. Die Kommandoflugzeuge sind der Strategic Communications Wing One (SCW-1) unter dem Kommando von Captain Edward D. McCabe auf der Tinker AFB in Oklahoma zugeteilt. (67)

 

Eine maritime Variante der E-6B Mercury sind TACAMO-Flugzeuge (= Take Charge and Move Out) ([frühere] Kodebezeichnung: COVER ALL), die eine fast acht Kilometer lange Langdrahtantenne hinter sich herziehen, um über Funk im Längstwellenbereich die Kommunikation zu den getauchten U-Booten zu halten. Die Kommandoflugzeuge sind der Strategic Communications Wing One (SCW-1) auf der Tinker AFB in Oklahoma mit ihren beiden Fleet Air Reconnaissance Squadrons VQ-3 und VQ-4 zugeteilt. (68)

 

Die Kommunikationsverbindungen zu den Kommandoflugzeugen werden im Rahmen der GIANT BALL-Übungen regelmäßig getestet.

 

Kode-Wandel

 

Zwar ist der Präsident der einzige politische Entscheidungsträger, der mit seiner EAM alle US-Atomwaffen auf einen Streich einsetzen könnte, aber andererseits kann mit der EAM als solcher keine einzige Atomwaffe geschärft und abgefeuert werden. Dazu bedarf es der verschiedenen Waffenkodes und diese befinden sich ausschließlich in den Händen der Militärs von Heer, Luftwaffe und Marine. Es ist der zivile Präsident, der die Militärs alarmiert aber es sind die Militärs, die die militärischen Einheiten alarmieren. Ohne das aktive Handeln der diensthabenden Offiziere in den Kommandostäben erfolgt kein US-Militärangriff.

 

Über die Umsetzung der präsidialen EAM in militärische Einsatzkodes gibt es ein dreißigseitiges Dokument der Joint Chiefs of Staff vom 20. März 1985: „Emergency Action Procedures of the Joint Chiefs of Staff – Nuclear Control Orders (U)”. Dieses Dokument wurde von der Webseite des Pentagons längst gelöscht. Es ist mittlerweile auf einer anderen Webseite verfügbar, aber der interessierte Leser wird dennoch kaum Freude an dem Dokument haben, da außer den Kapitelüberschriften fasst der gesamte Text gelöscht wurde. (69)

 

Letztendlich haben die Generäle die Hand am Drücker. Dies führte wiederholt zu Befürchtungen, dass die Militärs eigenmächtig handeln könnten: Als General Curtis LeMay Kommandeur des damaligen Strategic Air Command (CINCSAC) war, war es ihm egal, welcher Zivilist über ihm vorübergehend glaubte der präsidiale Oberbefehlshaber zu sein. Er war es, der seine Bomberflotte führte.

 

Gleiches gilt für den „Kriegshelden“ Admiral Douglas McArthur, der seit April 1942 Oberbefehlshaber des Bereichs Südwest-Pazifik war. Am 2. September 1945 nahm McArthur persönlich die japanische Kapitulation an Bord des Schlachtschiffes „Missouri“ entgegen. Während des Koreakrieges (22.6.1950 bis 27.7.1953) kommandierte er zunächst die US-Truppen; aber Präsident Harry S. Truman setzte ihn am 11. April 1951 vorzeitig von seinem Posten ab, da McArthur in Korea im Dezember 1950 unbedingt Atomwaffen einsetzen und die Volksrepublik China angreifen wollte. (70) Zwar stationierte die US-Regierung neun ihrer Atomwaffen auf der Andersen AFB auf Guam, aber die Regierung war damals noch relativ zurückhaltend gegenüber einem potentiellen Atomwaffeneinsatz.

 

Ende 1960 schickte US-Präsident Eisenhower einmal ein Expertenteam bestehend aus dem Forschungsminister George Kistiakowsky, der am Bau der ersten Atombombe beteiligt war, dem Chemiker George W. Rathjens (MIT) und dem Stellvertretenden CIA-Direktor Herbert Scoville zum Hauptquartier des damaligen Atombomberkommandos Strategic Air Command (SAC) auf der Offutt AFB in Nebraska, um herauszufinden, was die dortigen Stabsoffiziere eigentlich so trieben. Der Inspektionsbesuch verlief verheerend, wie Peter Pringle und William Arkin in ihrem Buch „SIOP“ später berichteten:

 

„General LeMay and is successor at SAC, General Thomas Power, had never developed a reputation for openness, even to military colleagues, about the highly sensitive work at Offutt. A civilian would have even less chance of finding out what was going on, thought Kistiakowsky. He told Eisenhower about his doubts, and the President gave him a special signed order directing SAC to open its books. (…)

 

As expected General Power made the trio feel thoroughly unwanted: he sent a colonel to meet their plane even though, according to protocol, he should have gone himself because Kistiakowsky held cabinet rank. Power quickly made it clear he was prepared to reveal very little. The tour would be limited, he told Kistiakowsky; there were many things going on at Offutt that were too secret for his civilian ears. He did not want Rathjens or Scoville to take notes of what they heard. The presence of such papers posed too much of a security risk.

 

Over the next three days Eisenhower´s team spent only one hour being briefed on the details of the SIOP (damaliger US-Atomkriegsplan, G. P.), but they found out enough to be struck by the unnecessary weight of the attacks on Russian cities. (…)

 

When the three men returned to Washington, Kistiakowsky wrote a short memorandum for Eisenhower stressing his concern about the overkill factor. None of the President´s original suspicions about the way the targeting was being done were allayed by the report, and Eisenhower confided to his naval aide, Captain Peter Aurand, that the report ‘frighten(ed) the devil out of me’.” (S. 72f)

 

- Interkontinentalraketen

 

Die Minuteman III-Raketen stammen – ebenso wie ihre Launch Control Center – noch aus den sechziger Jahren. Die Raketenstreitmacht verteilt sich im Prinzip auf drei Geschwader mit jeweils drei Staffeln, die aus jeweils fünf „Flügen“ („flight“) á zehn Raketen bestehen (im Verlauf des laufenden Jahres werden von diesen insgesamt 450 Raketensilos 50 stillgelegt). Jede Interkontinentalrakete ist in einem unbemannten, unterirdischen Silo irgendwo in der Landschaft versenkt. Von außen ist nur der stählerne Silo-Deckel hinter einer Umzäunung sichtbar. Jeweils zehn Raketen im Umkreis von wenigen Kilometern bilden einen „flight“.

 

Jeder „flight“ wird von einem unterirdischen Bunker, dem (Primary) Launch Control Center ([P]LCC), kommandiert, in dem gleichzeitig zwei Raketenoffiziere, die Missile Combat Crew (MCC), Dienst tun. Sie überwachen ferngesteuert die Raketen in ihren Silos, führen Übungen durch und feuern die Flugkörper gegebenenfalls ab.

 

Trifft eine EAM ein, löst der dröhnende Lautsprecher des alten Primary Alerting Systems (PAS) Alarm aus, von dem nicht ganz klar ist, ob es für die ebenso alten Minuteman III noch verwendet wird. Daraufhin würde der stellvertretende Dienstleiter (Deputy Missile Command Crew Commander - DMCCC) einen sechsstelligen Authentisierungskode ( z. B.: N O P A B Z) in seine Missile Control Console eingeben, der ein Signal an die Elektronik aller angeschlossenen ICBMs sendet, einen Startbefehl zu empfangen. Daraufhin gibt der Stellvertreter nochmals einen zweistelligen Kode ein, den Preparatory Launch Command Alpha (PLCA), der unter den startbereiten ICBMs diejenigen auswählt, die vom Generalstab in Washington für eine bestimmte Einsatzoption ausgewählt wurden. Anschließend gibt einer der beiden Offiziere einen dritten, diesmal achtstelligen Kode in das Launch Enable System (LES) ein. Dabei soll es sich jahrelang bloß um die Werkseinstellung „00000000“ gehandelt haben.

 

Daraufhin öffnen die beiden Offiziere den Safe, die so genannte red lock box. Dieser Safe wird durch zwei mechanische Zahlenschlösser verriegelt und jeder der beiden Soldaten gibt seinen persönlichen Kode ein, um den Safe zu öffnen. Daraufhin entnehmen sie – mehr oder weniger - identische Ringbücher mit laminierten Seiten, die die entsprechenden Raketenabschuss-Instruktionen enthalten. Außerdem entnimmt jeder seinen Abschussschlüssel und seine elektronische Authentisierungskarte, den so genannten „cooky“. Anschließend überprüfen sie gemäß der Prozeduren des Sealed-Authentication Systems (SAS), ob der per Funk empfangene Kode mit dem Kode aus ihrem Ringbuch übereinstimmt. Ist dies der Fall, stecken beide Soldaten ihre Abschussschlüssel in den Zylinder an ihrer jeweiligen Abschusskonsole. Daraufhin drehen beide zum angegebenen Zeitpunkt der Exekution Reference Time (ERT) nahezu gleichzeitig ihre Schlüssel um und halten sie mehrere Sekunden in dieser Position. Dies ist das Abschusssignal für einen cooperative lauch (coop launch) ein oder mehrerer Raketen. Anschließend muss der Abschussbefehl durch ein zweites LCC aus derselben Staffel bestätigt werden. Erst dann öffnen sich die Silodeckel über den Raketenschächten und der oder die Flugkörper starten. (71) Umgekehrt kann ein zweites LCC den Abschuss der Raketen, die dem ersten Kontrollzentrum unterstehen, verhindern, indem es einen Schalter auf „inhibit launch“ stellt. Dieses Startverbot kann wiederum durch ein drittes LCC derselben Staffel aufgehoben, werden, so dass dann die ICBMs – zumindest zeitlich verzögert – doch noch abgefeuert werden. Jede Besatzung wird so von den vier anderen LCCs-Teams innerhalb der Staffel in einem wechselseitigen System aus positiven und negativen Kontrollen überwacht.

 

- Bomber

 

An Bord einer Boeing B-52H Stratofortress befinden sich sechs Besatzungsmitglieder: Der Pilot und Aircraft Commander (AC), Copilot (CP), Navigator (Nav), Radar-Navigator (RN), Electronical Warfare Officer (EWO) und Bordschütze (G). Im Prinzip müssen nur der Pilot und der Radarnavigator den EAM-Befehl entschlüsseln und bestätigen, aber es ist üblich, dass im Falle eines Angriffsbefehls alle Besatzungsmitglieder gemeinsam entscheiden, da für einen Angriffsflug alle ihre Aufgaben voll erfüllen müssen.

 

Sollte eine EAM über die verschiedenen Funksysteme eintreffen, öffnet die Besatzung des Safe mit dem Combat Mission Folder (CMF) und dem Target Folder und entnimmt die entsprechenden Unterlagen (Luftkarten, Ziel-Luftbilder, Satellitenbilder, Radaraufnahmen etc.). Darin finden sich alle notwendigen Informationen über das Ziel, seine Lage und die Luftverteidigungsstellungen drumherum. Außerdem finden sich in dem Safe die Schlüssel, um die Atombomben an Bord zu schärfen. Nicht zuletzt werden Ausweichziele benannt. Anschließend arbeiteten der Pilot und der Navigator die Flugstrecke zum Ziel und zurück aus, der Radarnavigator führt einen Radarinterpretationstest durch und sucht nach Landmarken und der EloKa-Offizier analysiert die gegnerische Luftabwehr im Zielgebiet. In größerer Nähe zum Ziel löst dann der Radarnavigator die atomaren Marschflugkörper aus.

 

Zumindest früher hatte die B-52H einen SWESS-Schalter (= Special Weapons Emergency Separation Switch), den die Besatzung vorab aktivieren konnte: Sollte die Bomberbesatzung bei einem Angriffsflug durch die gegnerische Luftabwehr getötet worden sein und der Bomber abstürzen, würde dieses System eine Notzündung der Atombomben bewirken, so dass diese irgendwo im Feindesland detonieren.

 

Die Dienstvorschrift „AF Instruction 11-2B-52 Vol. 3 ‚Flying Operations – B-52-Operations Procedures‘“ vom 14. Juni 2010 enthält noch einen für Bomberbesatzungen wichtigen Ratschlag für den Umgang mit (Atom-)Waffen in Friedenszeiten: „While carrying, internal weapons (live or inert) do not simulate internal weapons release.“

 

Im Unterschied zur B-52H befinden sich an Bord einer B-2A Spirit nur noch zwei Mann Besatzung, die gemäß der two-man-rule gemeinsam entscheiden. Ein einzelner B-2A kann bis zu sechzehn Atombomben (B61 oder B83) mitführen.

 

- U-Boote

 

Da die Kommunikation mit den getauchten U-Booten schwierig ist, müssen die Funksprüche und damit auch die atomaren Einsatzkodes im Vergleich zu den Interkontinentalraketen und Bombern relativ kurz sein. Sie bestehen nur aus einer codierten Dreiergruppe („three-letter-code“), die die entsprechende Einsatzoption kennzeichnet. (72)

 

Die U-Boote befinden sich rund 90 Tage auf Patrouille. Während dieser Zeit meiden sie die Verkehrswege der internationalen Handelsschifffahrt und halten Funkstille strikt ein. An Bord der U-Boote befinden sich rund 160 Matrosen, darunter ca. 15 Offiziere. Der Commanding Officer (CO) und der Executive Officer (XO) im Operations Compartment als auch der Weapons Officer (Weps) im Missile Compartment müssen den Angriffsbefehl bestätigen: Jeder hat dazu eine eigene Safekombination bzw. Safeschlüssel, die erst zusammen den Zugriff auf die Authentisierungskodes freigeben. Ist der Angriffsbefehl valide, stellt der CO an seiner Konsole den Abschussschlüssel auf „permission to fire“. Dann geht das U-Boot auf Abschusstiefe von rund 30 Meter, öffnet die Raketenabdeckungen und schießt die Raketen im Abstand von ca. 30 Sekunden hintereinander ab. Jede SLBM steckt in einem separaten Silos, aus dem die Rakete durch Luftdruck herausgepresst wird; erst nach Durchbrechen der Wasseroberfläche zündet der Raketenmotor. Die gesamte Prozedur vom Empfang einer EAM bis zum ersten Abschuss dauert circa 15 Minuten.

 

Permissive Action Link (PAL)

 

Damit der nukleare Einsatzbefehl tatsächlich in einen Nuklearangriff umgesetzt werden kann, muss der präsidiale Kode in einen Waffenkode verwandelt werden. Anschließend müssen die für einen Waffengang ausgewählten Atomwaffen geschärft werden, dafür ist ein dritter Kode notwendig: Seit Anfang der sechziger Jahre ist in die US-Atomwaffen ein elektronisches Kodeschloss eingebaut, das das Zündsicherungssystem freischaltet. Bei diesem Kodeschloss handelt sich dabei um den so genannten Permissive Action Link (PAL). Dabei handelt es sich um ein elektronisches Kodeschloss, dass dem konventionellen Zündsystem des Nuklearsprengkörpers vorgeschaltet ist. Wenn der Bediener die richtige Kombination eingibt, wird die Waffe geschärft.

 

Im Juni 1962 ordnete der damalige Präsident John F. Kennedy durch das National Security Action Memorandum 160 (NSAM 160) an, dass die US-Atomwaffen mit diesem Sicherheitssystem nachgerüstet würden. Jedoch sabotierten die US-Militärs diese Präsidentenanweisung, weil sie die Befürchtung hatten, dass im Ernstfall die Entriegelungskodes nicht verfügbar wären. So behielten die Atomwaffen bis 1977 einfach die Werkseinstellung „0000…“ bei. Mehrere hundert Millionen US-Dollar wurden so für eine Sicherheitsmaßnahme vergeudet, die in Wirklichkeit nicht funktionierte. Danach dauerte es noch zehn Jahre bis 1987, bis alle US-Atombomben und taktischen Atomwaffen (Artilleriegranaten, ADM-Landminen, Nukleartorpedos etc.) mit einem elektronischen PAL nachgerüstet waren. Eine Ausnahme bildeten die ICBM-Gefechtsköpfe; sie sind nicht in das PAL-System eingebunden. (73)

 

Offiziell ist das PAL-Sicherungssystem seit Anfang der sechziger Jahre mehrfach modernisiert worden, so dass man heute von verschiedenen Versionen („category“) spricht, die sich u. a. in der Zahl der Kodestellen unterscheiden: Cat. A (4 Stellen), B (4 Stellen), C (6), D (6), F (12). So sind die Bomben vom Typ B83 mit einem PAL Cal. D ausgestattet; die Wasserstoffbomben B61-3 und B61-4 mit dem Cal. F-System. Die modernen PAL-Chips erlauben nur eine begrenzte Zahl von Eingabeversuchen (limited try), danach wird das Zündsystem der Waffe dauerhaft blockiert.

 

Zur Jahrtausendwende führte man das neue PAL-Programmierungssystem Code Management System (CMS) ein. Dazu heißt es bei „Wikipedia“:

 

„1995 begann die Entwicklung des Code Management System (CMS). Das CMS vereinfachte die Kontrolle und Logistik für das Personal und verbesserte die Flexibilität und Geschwindigkeit beim Warten und Scharfschalten der Waffen. Verschiedene Codes konnten genutzt werden, um PAL-Schlüssel neu zu programmieren, die Waffe zu sperren und allgemein zu handhaben, während die Geheimhaltung und Gültigkeit von Einsatzcodes sichergestellt blieb.

 

Insgesamt bestand das CMS aus vierzehn neuen Produkten, davon neun Software- und fünf Hardware-Produkten. Die Software wurde in den Sandia National Laboratories entwickelt und enthielt ungefähr 160.000 Zeilen Programmcode (260.000 mit Kommentaren). Die Hardware fertigte die National Nuclear Security Administration an.

 

Das CMS war erstmals im November 2001 vollständig einsatzbereit. Ein Teil des Systems, ein spezieller Kryptografie-Prozessor, wurde jedoch schon 1997 in die Waffen eingebaut, um einem möglichen Jahr-2000-Problem vorzubeugen. Bis zum Frühjahr 2004 waren schließlich alle PAL-Systeme mit dem Code Management System ausgestattet.“ (74)

 

US-Atomkriegsplanung

 

Alle paar Jahre überarbeitet die US-Regierung ihre Atomwaffenpolitik. Die Ergebnisse dieser Revision werden in einem Dokument niedergelegt, das als Nuclear Posture Review (NPR) bekannt ist.

 

Der letzte NPR stammt noch vom April 2010, also von der Obama-Administration, und muss in den kommenden Monaten überarbeitet werden. Darin hieß es: “The United States would only consider the use of nuclear weapons in extreme circumstances to defend the vital interests of the United States or its allies and partners.”

 

Wie seiner Vorgänger auch wird das nächste NPP die militärpolitischen Grundannahmen für die zukünftige US-Atomkriegsplanung umschreiben. Am 27. Januar 2017 erteilte Präsident Trump seinem Verteidigungsminister General a. D. James Mattis per Executive Order (EO) einen entsprechenden Auftrag: “initiate a new Nuclear Posture Review to ensure that the United States nuclear deterrent is modern, robust, flexible, resilient, ready, and appropriately tailored to deter 21st-century threats and reassure our allies.“ (75)

 

Die entsprechenden Entwurfsarbeiten für den neuen NPR begannen im April und werden mindestens bis Dezember 2017 dauern.

 

Atomkriegsplan

 

Bei einem atomaren Kriegsplan geht es nicht um klassische Truppenführung, das Entscheidende ist allein der Umfang der Zielliste und die Gesamt-Megatonnage der eingesetzten Atomwaffen. Für eine alle Teilstreitkräfte einbeziehende Atomkriegsplanung errichteten die JCS im Jahre 1960 den Joint Strategic Target Planning Staff (JSTPS). Dieser erstellte eine Datenbank mit allen potentiellen Angriffszielen und ihren baulichen und technischen Eigenschaften – die National Strategic Target Database. Aufgrund dieser Datenbank wird dann die Liste potentieller Ziele, die National Strategic Target List (NST), für den Atomkriegsplan zusammengestellt. Anschließend werden die Charakteristika des Zielobjektes analysiert, insbesondere seine Härte bzw. Verwundbarkeit und den einzelnen Zielen im Rahmen der so genannten „weapons allocation“ die jeweiligen Bekämpfungssysteme zugewiesen: Mit welchem Trägersystem bzw. welchem Atomsprengkopf soll dieses oder jenes Ziel im Kriegsfall anvisiert und vernichtet werden.

 

Berechnungen der Atomkriegsplaner zeigten, dass im Durchschnitt 2,5 Atomwaffen gegen jedes Ziel eingesetzt werden müssen, um dessen Zerstörung sicher zu stellen. Am „Besten“ sind möglichst treffgenaue Sprengkörper mit einer hohen Letalität, der so genannten time-urgent, hard-target single shot kill probality (SSKP). (76) Für diesen Teil der Atomkriegsplanung ist das STRATCOM zuständig. Die entsprechende Generalstabsabteilung J5 Plans and Policy wird derzeit von der Generalmajorin Nina M. Armagno geführt.

 

Dazu führt das STRATCOM eine ständig aktualisierte Liste mit allen potentiellen Zielen weltweit. Aus dieser Liste werden die wichtigsten Angriffsobjekte herausgesucht und anschließend bestimmt,

 

Zur Atomkriegsplanung schrieb Paul Ozorak in seinem Buch „Underground Structures of the Cold War“ (2012):

 

„This includes the hardness of attack aimpoints, which helps to determine the type and quantity of weapons that would be used against them. The level of hardness is rated by Vulnerability Number, e. g. 11P1, where the first two numbers show the hardness level or the ‘peak overpressure or peak dynamic pressure corresponding to a 50 percent probability of achieving the designated level of damage’, the letter indicates whether the ‘damage probability should be calculated using peak overpressure or peak dynamic pressure’ and the last number – called the K-factor – refers to the target´s sensitivity to blast wave duration, with 0 indicating high susceptibility and 9 indicating high resistance.

 

Another key consideration in the choice and number of weapons used is the accuracy, especially when it comes to missiles. One of the most important characteristics of an ICBN and SLBM is its ‘circular error probable’, which is defined as the distance from the designated ground zero which 50 per cent of the missiles would reach. In ordinary terms, it is a simple measure of accuracy. When the JSTPS compiles its target database and decides on weapons allocation, CEPs are taken into account for maximum effectiveness. A low accuracy suggests the more than one weapon may need to be used against a target.

 

The type and hardness of an objective will also decide the weapon to be used. If the target was an airfield and the intent was to damage its runway, accuracy may not be critical because of its large surface. An underground command post, on the other hand, requires a high-yield weapon with relatively good accuracy. (…)

 

Also, since wind and rain can affect a missile`s trajectory, the SIOP (Single Integrated Operational Plan, frühere Bezeichnung für den Atomkriegsplan in den sechziger bis neunziger Jahren, G. P.) will also state whether the weapon should be detonated as an air burst, ground burst or, if two warheads are used, as a combination of both.” (S. 237f)

 

Auf den alten Atomkriegsplan Single Integrated Operational Plan 02 (SIOP-02) vom Oktober 2001 folgte im Februar/März 2003 der Operations Plan 8044 (OPLAN 8044). Dieser wurde circa 2002 bis 2004 ergänzt durch den Contingency Plan 8022 (CONPLAN 8022 oder CONPLAN 8022-02) für einen präemptiven „Global Strike“ gegen die ABC-Waffenpotentiale Nordkoreas oder des Irans. (77) Im Jahr 2008 wurde der alte OPLAN durch Operations Plan 8010 (OPLAN 8010) bzw. Operations Plan 8010-08 Strategic Deterrence and Global Strike (OPLAN 8010-08) abgelöst. Dieser wurde zum 1. Februar 2009 noch einmal überarbeitet („change 1“). Dessen Planungen sahen Angriffe gegen Russland, die Volksrepublik China, Syrien, Iran, Nordkorea und eine non-state-Terrorgruppe vor. Neben Atomwaffen sollten auch moderne, konventionelle Waffen eingesetzt werden: schiffsgestützte Marschflugkörper R/UGM-109C/D Tomahawk Block II/III Tomahawk Land-Attack Missiles (TLAM), laser-gesteuerte Präzisionsbomben Joint Direct Attack Munitions (JDAM), Bunker Buster-Bomben und Kampfdrohnen General Atomics MQ-1 Predator mit AGM-114 Hellfire-Raketen. (78)

 

Im Juli 2012 führten die US-Atomstreitkräfte ihren Operationsplan OPLAN 8010 bzw. OPLAN 8010-12 Strategic Deterrence and Force Employment ein. Der frühere US-Präsident Barack Obama erließ im Juni 2013 die Presidential Policy Directive 24, um den damaligen Atomkriegsplan zu überarbeiten. Dieser Prozess wurde Ende 2016 abgeschlossen, allerdings wurden über den neuen Operationsplan noch keine Details bekannt. Der atomare Kriegsplan unterliegt der höchsten Geheimhaltung: Top Secret - Extremely Sensitive Information (TS-ESI).

 

Soweit bekannt umfasste der bisherige Kriegsplan 900 potentielle Ziele in Russland, darunter allein 100 Objekte in Moskau, 500 Ziele in der Volksrepublik China, 60 in Nordkorea und 50 Gebiete im Iran. (79)

 

Neben diesem globalen Atomkriegsplan besitzen die weltweit dislozierten US-Streitkräfte noch weitere regionale, mehr oder weniger rein konventionelle Operationspläne. Der aktuelle Kriegsplan zur „Verteidigung“ Südkoreas heißt Operations Plan 5015 (OPLAN 5015) und wurde erst 2015 verabschiedet. Er sieht u. a. „decapitation raids“ gegen die nordkoreanische Führungsspitze vor. Hinzu kommen spezielle CONPLANs (Concept Plans oder Contingency Plans) für einzelne Szenarios und ein Wartime Movements Plan (WMP) für die Truppenbewegungen in der ersten Kriegsphase:

 

“The new military strategy, Operations Plan (OPLAN) 5015, called for a prompt response to a North Korean attack with a preventive strike on the North's core military facilities and weapons as well as its top leaders. It differs sharply with the old OPLAN 5027, which is based on retraction, realignment and striking back. The new plan was signed by South Korean Joint Chiefs of Staff Chairman Choi Yoon-hee and Combined Forces Commander Curtis Scaparrotti in June 2015.

 

OPLAN 5015 focuses "on bolstering the capabilities for striking the headquarters" including the scenario of making a prompt attack on the headquarters and communication facilities of the DPRK. OPLAN 5015 consolidated OPLAN 5029 for the event of DPRK internal contingency, OPLAN 5027 in preparation of all-out war, and a peacetime OPLAN in response to local provocation. The OPLAN 5015 is also known to encompass plans against asymmetric aggression such as TBM/WMD and cyber warfare” (80)

 

Weitere US-Kriegsplanungen gegen Nordkorea sind OPLAN 5016, OPLAN 5028 und OPLAN 5030. Die Kriegspläne und Optionen werden ständig in verschiedenen Manövern getestet: FOAL EAGLE, GLOBAL THUNDER, KEY RESOLVE, ULCHI FREEDEM GUARDIAN etc.. (81) Für einen konventionellen Krieg gegen Nordkorea würden die Streitkräfte vor allem vom US Pacific Command (PACOM) mit HQ im „Camp H. M. Smith“ auf Hawaii gestellt werden. Oberbefehlshaber der rund 325.000 Soldaten des Kommandos ist z. Zt. Admiral Harry B. Harris, Jr.. In Südkorea sind die US Forces Korea (USFK) mit derzeit rund 30.000 Soldaten stationiert. (82)

 

Im August 2017 kündigte der Chairman of the Joint Chiefs of Staff (CJCS), General Joseph Dunford, an, dass er eine „military solution“ des amerikanisch-nordkoreanischen Konflikts für durchführbar hält. Entsprechende Optionen würden gegenwärtig ausgearbeitet: "What is unimaginable is allowing [North Korean leader Kim Jong-Un] to develop ballistic missiles with a nuclear warhead that can threaten the United States and continue to threaten the region." (83)

 

Auch gab bzw. gibt es Geheimdienstplanungen der CIA, um Kim Jong Un zu ermorden. (84)

 

Atomkrieg aus Irrtum

 

Nuklearkrisen implementieren immer das Risiko eines accidental nuclear war, wenn unter Zeitdruck und bei einer nur selektiven Informationslage in einer emotional aufwühlenden Krisensituation eine existentielle Entscheidung von weitreichender Bedeutung für das Leben von Abermillionen getroffen werden muss. Die Ursachen für menschliches oder technisches Versagen können vielfältig sein: Technische Fehler bei den Radarwarnsystemen oder den Atomwaffen selbst, Atomwaffenunfälle (Bomberabstürze, Raketenexplosionen), Software-Fehler in Computerprogrammen, Ausfall von Kommandosystemen, Drogenmissbrauch bei Soldaten der Atomstreitkräfte, politische Fehlkalkulation, strukturelle Defizite in politischen Regimen, putschistische Tendenzen innerhalb der Marine- oder Atomstreitkräfte, etc. etc.. Die Liste dieser so genannten „nuclear close calls“ ist lang. (85)

 

Das frühere Friedensforschungsinstitut Center for Defense Information (jetzt: „Global Zero“), listete allein für den Zeitraum 1977 bis 1984 1.152 Fehlalarme (false alerts) auf, die das CDI als „moderately serious“ einstufte. (86)

 

Mit dem Ende des Kalten Krieges traten sogar neue Probleme hinzu, die es bis dahin nicht gegeben hatte: So wurde im Juli 2014 der Kommandeur der 20th Air Force, Generalmajor Michael J. Carey, dem 450 Interkontinentalraketen auf der Francis E. Warren AFB unterstanden, stockbesoffen und in Begleitung zweier hübscher Damen aus dem Nachtclub „La Cantina“ aufgegriffen. Das Problem: Der US-General und der Nachtclub befanden sich in Moskau! (87) Daraufhin wurde Carey zum Brigadegeneral degradiert und am 1. Juni 2014 aus dem Militärdienst entlassen. (88)

 

Nach einem Bericht der „Washington Post“ hat die nordkoreanische Regierung Schwierigkeiten, Donald Trump und seine Erklärungen richtig einzuschätzen. So hat die nordkoreanische UN-Botschaft Kontakt zu ehemaligen amerikanischen Geheimdienstoffizieren, ex-Politikern und Friedensforschern (Bruce Klingner, Douglas H. Paal etc.) aufgenommen, um sich die Erklärungen der US-Administration erklären zu lassen. (89) Insbesondere dem nordkoreanischen Militär gehe es ziemlich auf die Nerven, dass Donald Trump den Ernst der Lage nicht erkennen würde. (90)

 

Angesichts der aktuellen Nuklearkrise rief UN-Generalsekretär beide Seiten zur Mäßigung auf: „Hitziges Gerede kann zu fatalen Missverständnissen führen“.

 

Eine Verhandlungslösung lehnte US-Präsident Donald Trump am 1. Oktober in einem „Tweet“ ab. Als sein Außenminister Rex Tillerson sich bemühte, einen Gesprächskanal zur nordkoreanischen Regierung offen zu halten, wiegelte er ab: Tillerson würde "wasting his time trying to negotiate with Little Rocket Man. (…) Save your energy, Rex, we'll do what has to be done. (…) Being nice to Rocket Man hasn't worked in 25 years, why would it work now? Clinton failed, Bush failed, and Obama failed. I won't fail.” (91) Daraufhin betitelte Tillerson seinen Regierungschef als „Schwachkopf“ (engl. „moron“). (92), denn Donald Trump hat anscheinend etwas verwechselt. Eine „bedingungslose Kapitulation“ wird erst nach und nicht vor einem Krieg ausgesprochen. Nun könnte nur noch Russland vermitteln. Jedenfalls hielt sich die Leiterin der Nordamerika-Abteilung im nordkoreanischen Außenministerium, Choi Sun Hee, im Oktober in Moskau. Da Trump – nach wie vor - jegliche direkten Gespräche ablehnt, bleiben ansonsten nur zwei Alternativen: entweder die nordkoreanische Regierung gibt jetzt von vornherein ihr gesamtes, über Jahrzehnte aufgebautes Nuklear- und Raketenprogramm auf oder Trump befiehlt einen umfassenden (nuklearen) Entwaffnungsschlag.

 

Im Falle eines Irrtums können Bomberbesatzungen für einen bestimmten Zeitraum noch zurückgepfiffen werden, bei land- oder seegestützten Raketen ist dies nicht möglich. Sollten diese irrtümlich abgefeuert werden, könnte man sie nur noch in der Antriebsphase durch funktechnische Aktivierung eines Selbstzerstörungsmechanismus sprengen. Ob und wie lange dies tatsächlich möglich ist, darüber schweigen sich die US-Militärs aus.

 

Während der aktuellen Korea-Krise ist es bereits zu Missverständnissen bzw. einem Fehlalarm gekommen: Am 11. August 2017 twitterte das Pazifikkommando der US-Streitkräfte (Pacific Command - PACOM) um 4.31 Uhr: „USAF B-1B Lancer #bombers on Guam stand ready to fulfill USFK`s #Fight Tonight mission if called upon to do so”. Was wie eine Ankündigung für einen unmittelbar bevorstehenden Militärangriff erschien, war lediglich eine harmlose Mitteilung. „Fight Tonight“ war keine Angriffsmitteilung, sondern nur das Motto der US-Streitkräfte in Südkorea. Das Überraschende: mindestens 51.793 User quittierten die vermeintliche Angriffsankündigung mit einem „like“-Button. (93)

 

Im Kriegsfall sollte der US-Präsident seine Wähler über das Emergency Alert System (EAS) vom Kriegszustand informieren. Dazu wird dann  an alle angeschlossenen Nachrichtenagenturen, Fernsehsender und Radiostationen eine Emergency Action Notification (EAN) geschickt mit der Aufforderung, das laufende Programm zu unterbrechen. Diese hätte in etwa folgenden Wortlaut: „We interrupt this program. This is a national emergency. The President of the United States or his designated representative will appear shortly over the Emergency Alert System.“

 

Bereits mehrfach ist dieses System irrtümlich aktiviert worden: Am 11. Februar 2013, drangen ein paar blöde Hacker in das EAS-System der Bundesstaaten Michigan und Montana ein und ließen über das staatliche Alarmierungssystem die Falschmeldung verbreiten, Zombies seien aus ihren Gräber aufgestiegen und würden nun die US-Bevölkerung bedrohen. (94)

 

Auch in der akuten Koreakrise kam es zu einem Fehlalarm: Am 15. August 2017 wurden die Einwohner der amerikanischen Insel Guam um 0.25 Uhr aufgeschreckt, als die beiden Radiostationen KTWG-AM und KTSO-FM, die an das EAS-System angeschlossen sind, durch „menschliches Versagen“ eine unbestimmte „civil danger warnung“ aussendeten. (95) Daraufhin gingen bei der Notrufzentrale der Polizei und dem lokalen Büro des Department for Homeland Security (DHS) zahlreiche Anrufe panischer Bürger ein.

 

Somit hat der 45. amtierende US-Präsident Donald J. Trump – wie seine Amtsvorgänger - die uneingeschränkte politische Verfügungsgewalt über das US-Atomwaffenarsenal. Ob die US-Militärs einen präsidialen Angriffsbefehl allerdings ausführen werden, sei dahingestellt. Es gibt keinerlei amtliche Untersuchungen darüber, dass sie es nicht tun würden. Bisher hat erst ein US-Präsident am 6. und 9. August 1945 einen atomaren Angriffsbefehl erteilt: OPERATION CENTERBOARD. (96) Aber auch der frühere – mehr oder weniger erfolgreiche - Bauunternehmer mit einer Vorliebe für „deals“ muss wissen, dass Atomkrieg keine „Geschäftsidee“ ist.

 

In einer Demokratie hat das (Wahl-)Volk ein Recht auf Irrtum. Die Amtszeit eines US-Präsidenten dauert 48 Monate. Donald J. Trump trat sein Amt im Januar 2017 an, das ist jetzt 8 Monate her, verbleiben 40 weitere, die die USA, Nordkorea und der Rest der Welt überstehen müssen. Die Amtszeit eines US-Präsidenten kann auf verschiedene Weise enden: Abwahl, Amtsenthebung aus politischen Gründen (Impeachment), Amtsenthebung aus gesundheitlichen Gründen oder die Kennedy-Option. Die zivile und militärische Führungsspitze im Pentagon muss sich überlegen, wie sie mit dem Problem Trump und dem Problem Nordkorea umgehen wollen.

Quellen:

 

1) http://milfors.de.tl/Nuklearkrise-USA_Nordkorea-_-Eine-Chronologie-2017.htm

 

(2) https://www.welt.de/politik/ausland/article169330850/Aufzuwachen-und-Los-Angeles-plattzumachen-liegt-nicht-in-Kims-Interesse.html

 

(3) https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/dprk/2017/dprk-170926-voa01.htm?_m=3n%2e002a%2e2115%2eqf0ao0cn3q%2e1y27

 

(4) https://de.sputniknews.com/politik/20170810316968982-usa-praeventivschlag-nordkorea-gegenreaktion/

 

(5) http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-experte-nicht-sicher-dass-die-usa-einen-krieg-gewinnen-wuerden-a-1166677.html

 

(6) http://www.afgsc.af.mil/Portals/51/Docs/AFGSC%20Strategic%20Plan_2016_CC%20Signed.pdf?ver=2016-05-06-144801-403

 

(7) http://www.stratcom.mil/Academic-Alliance/Research-Topics/

 

(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Pj%C3%B6ngjang

 

(9) https://fas.org/nuke/guide/dprk/facility/pyongyang.htm

 

(10) http://www.hawaiicounty.gov/active-alerts

 

(11) https://de-de.facebook.com/GHSOCD/

 

(12) https://de.wikipedia.org/wiki/25._Zusatzartikel_zur_Verfassung_der_Vereinigten_Staaten

 

(13) http://www.nytimes.com/2002/11/17/us/in-jfk-file-hidden-illness-pain-and-pills.html

 

(14) http://www.nytimes.com/1988/08/21/magazine/president-lyndon-johnson-the-war-within.html?pagewanted=all

 

(15) http://www.dailymail.co.uk/news/article-2110552/Richard-Nixons-secret-psychiatric-care-torpedoed-presidential-bid-detailed-new-book.html

 

(16) https://www.nytimes.com/2014/03/28/us/politics/james-r-schlesinger-cold-war-hard-liner-dies-at-85.html

 

(17) http://www.atomwaffena-z.info/geschichte/atomwaffen-als-drohmittel/vietnamkrieg.html

 

(18) http://www.spiegel.de/panorama/nixons-atombombenplaene-madman-im-weissen-haus-a-429737.html

 

(19) http://www.spiegel.de/politik/ausland/planspiele-nixon-erwog-atombomben-abwurf-ueber-vietnam-a-184820.html

 

(20) http://edition.cnn.com/2015/12/17/politics/nuclear-triad-donald-trump-marco-rubio-gop-debate/

 

(21) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-koennte-er-als-praesident-wirklich-unkontrolliert-einen-atomschlag-ausloesen-a-1106414.html

 

(22) http://www.ibtimes.com/trump-campaign-takes-away-twitter-candidate-obama-mocks-move-2442547

 

(23) http://edition.cnn.com/2017/08/23/politics/james-clapper-trump-phoenix-rally-don-lemon-cnntv/index.html

 

(24) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-kongressabgeordnete-fordert-medizinische-untersuchung-interview-a-1167560.html

 

(25) http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-experte-nicht-sicher-dass-die-usa-einen-krieg-gewinnen-wuerden-a-1166677.html
 

(26) https://www.welt.de/geschichte/article155904875/Ach-du-Sch-Geheimdienst-Crashkurs-fuer-Trump.html

 

(27) https://www.heise.de/tp/features/Hiroshima-Angriffsbefehl-kam-aus-Deutschland-3374632.html

 

(28) https://www.nytimes.com/2016/08/05/science/donald-trump-nuclear-codes.html?_r=0

 

(29) https://www.cnbc.com/2016/08/03/trump-asks-why-us-cant-use-nukes-msnbcs-joe-scarborough-reports.html

 

(30) http://edition.cnn.com/2015/12/17/politics/nuclear-triad-donald-trump-marco-rubio-gop-debate/

 

(31) https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/afxline/topthemen/article167509653/Heftige-Wortgefechte-zwischen-USA-und-Nordkorea.html

 

(32) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-das-problem-mit-den-nuklear-codes-a-1130828.html

 

(33) https://www.theguardian.com/commentisfree/2006/mar/15/comment.labour1

 

(34) https://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Outfit

 

(35) http://www.dailymail.co.uk/news/article-2635094/

EXCLUSIVE-Revealed-MAFIA-helped-Ronald-Reagan-White-House-Shocking

-documentary-reveals-Mob-connections-catapulted-presidency-probe-thwarted

-highest-levels.html

 

(36) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-soll-geheiminformationen-an-russen-weitergegeben-haben-a-1147844.html

 

(37) https://en.wikipedia.org/wiki/Article_Two_of_the_United_States_Constitution

#Clause_1:_Command_of_military.3B_Opinions_of_cabinet_secretaries.3B_Pardons

 

(38) https://en.wikipedia.org/wiki/Gold_Codes

 

(39) http://www.sueddeutsche.de/politik/zahlencode-fuer-atomwaffen-einsatz-der-verlorene-keks-1.1015164

 

(40) https://fas.org/irp/offdocs/nspd/nspd-51.htm

 

(41) https://en.wikipedia.org/wiki/Continuity_of_Operations

 

(42) http://www.stratcom.mil/

 

(43) https://en.wikipedia.org/wiki/Offutt_Air_Force_Base

 

(44) http://www.afgsc.af.mil/

 

(45) https://en.wikipedia.org/wiki/Air_Force_Global_Strike_Command

 

(46) http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00963402.2016.1264213?needAccess=true

 

(47) https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Ohio-class_submarines

 

(48) http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00963402.2016.1264213?needAccess=true

 

(49) https://usatoday30.usatoday.com/news/washington/2005-05-05-nuclear-football_x.htm

 

(50) https://de.wikipedia.org/wiki/Atomkoffer

 

(51) https://www.cnbc.com/2016/08/03/trump-asks-why-us-cant-use-nukes-msnbcs-joe-scarborough-reports.html

 

(52) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-das-problem-mit-den-nuklear-codes-a-1130828.html

 

(53) https://usatoday30.usatoday.com/news/washington/2005-05-05-nuclear-football_x.htm

 

(54) http://www.monitoringtimes.com/html/eam.html

 

(55) http://www.numbers-stations.com/military/usa/hfgcs/

 

(56) https://www.nsa.gov/news-features/declassified-documents/friedman-documents/assets/files/panel-committee-board/FOLDER_348/41723749076302.pdf

 

(57) http://articles.latimes.com/2000/sep/24/news/mn-26048

 

(58) https://www.youtube.com/watch?v=WvcSWpgqp94

 

(59) https://en.wikipedia.org/wiki/Presidential_Emergency_Operations_Center

 

(60) http://www.whitehousemuseum.org/west-wing/situation-room.htm

 

(61) https://en.wikipedia.org/wiki/Presidential_state_car_(United_States

 

(62) https://archive.org/stream/EmergencyActionProcedureoftheJointChiefsofStaff
NuclearActionProcedureVolume5/Emergency%20Action%20Procedure%
20of%20the%20Joint%20Chiefs%20of%20Staff%20Nuclear%20Action%
20Procedure%20Volume%205_djvu.txt

 

(63) http://www.stratcom.mil/Media/Factsheets/Factsheet-View/
Article/976353/usstratcom-global-operations-center-goc/

 

(64) https://fas.org/nuke/guide/usa/c3i/cmah.htm

 

(65) http://www.numbers-stations.com/military/usa/hfgcs/

 

(66) http://www.sueddeutsche.de/panorama/offutt-air-force-base
-tornado-beschaedigt-fliegende-kommandozentrale-der-us-luftwaffe-1.3559261

 

(67) http://www.public.navy.mil/airfor/scw1/Pages/default.aspx/

 

(68) http://www.public.navy.mil/airfor/scw1/Pages/default.aspx/

 

(69) https://web.archive.org/web/20160105193401/http://www.dod.gov/
pubs/foi/Reading_Room/Joint_Staff/320.pdf

 

(70) http://www.atomwaffena-z.info/geschichte/chronik-des-atomzeitalters/1950-1959.html

 

(71) https://www.nps.gov/mimi/learn/historyculture/emergency-action-messages.htm

 

(72) http://mt-milcom.blogspot.de/p/what-is-emergency-action-message-or-eam.html

 

(73) https://de.wikipedia.org/wiki/Permissive_Action_Link

 

(74) https://de.wikipedia.org/wiki/Permissive_Action_Link

 

(75) https://www.defensenews.com/space/2017/02/08/
trump-s-nuclear-options-upcoming-review-casts-a-wide-net/

 

(76) http://www.alternatewars.com/BBOW/ABC_Weapons/Nuke_Exchange_Calcs.htm

 

(77) http://www.nukestrat.com/us/stratcom/CONPLAN8022brief.pdf

 

(78) https://fas.org/programs/ssp/nukes/publications1/WarPlanIssueBrief2010.pdf

 

(79) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-das-problem
-mit-den-nuklear-codes-a-1130828.html

 

(80) https://www.globalsecurity.org/military/ops/oplan-5015.htm

 

(81) https://www.wsws.org/en/articles/2017/09/18/kore-s18.html

 

(82) https://www.heise.de/tp/features/Atomkriegsgefahr-in-Korea-3398468.html

 

(83) http://www.bbc.com/news/world-asia-40959785

 

(84) https://www.wsws.org/en/articles/2017/09/18/kore-s18.html

 

(85) https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_nuclear_close_calls

 

(86) http://foreignpolicy.com/2016/08/05/our-nuclear-procedures-are-crazier-than-trump/

 

(87) https://www.theguardian.com/world/2014/jan/15/
muclear-missile-officers-suspended-drug-cheating-scandals

 

(88) https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Carey_(United_States_Air_Force_officer)

 

(89) https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/
north-korea-seeks-help-from-republican-analysts-whats-up-with-trump/
2017/09/26/ea91909e-a278-11e7-8c37-e1d99ad6aa22_story.html?utm_term=.36f6668036c3&wpisrc
=al_alert-COMBO-world%252Bnation&wpmk=1

 

(90) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump
-vs-kim-jong-un-nordkorea-praesentiert-plan-fuer-angriff-auf-guam-a-1162150.html

 

(91) https://www.usatoday.com/story/news/politics/2017/10/01/trump-rex-tillerson-wasting-his-time-negotiating-little-rocket-man/721047001/

 

(92) http://www.spiegel.de/politik/ausland/
news-rex-tillerson-donald-trump-nachrichtendienste-afd-a-1171308.html

 

(93) http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/
donald-trumps-reale-optionen-in-der-nordkorea-krise-15148173.html

 

(94) https://en.wikipedia.org/wiki/Emergency_Alert_System

 

(95) http://www.n-tv.de/politik/Fehlalarm-schreckt-Guam-auf-article19984124.html

 

(96) http://www.atomicheritage.org/history/bombings-hiroshima-and-nagasaki-1945