Militärforschung
  Nuklearkrise USA-Nordkorea - Eine Chronologie 2017
 

Waffentests, Truppenverlegungen und Kriegsdrohungen –
eine Chronologie zur akuten Nuklearkrise USA-Nordkorea

 

Gerhard Piper

 

28. September 2017

 

Seit dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident am 20. Januar 2017 hat sich der bereits längere Zeit schwelende Nuklearkonflikt zwischen den USA und Nordkorea verschärft. Es ist eine Mischung aus militärischen Waffentests, Säbelrasseln im Sinne klassischer Kanonenbootdiplomatie und aggressiven Verbalnoten. Angesichts der beiderseitigen militärischen Drohungen ist eine zunehmende Zahl von Erdenbürgern besorgt, ob der Konflikt auch diesmal wieder friedlich ausgehen wird.

 

- Am 12. Februar 2017 testeten die nordkoreanischen Streitkräfte eine Mittelstreckenraketen vom Typ KN-15 Pukguksong-2. (http://edition.cnn.com/2017/05/29/asia/north-korea-missile-tests/index.html)

 

- Am 6. März 2017 feuerte Nordkorea ein oder mehrere Kurzstreckenraketen Hwasong-7 ab, die in den internationalen Gewässern vor der japanischen Küste niedergehen. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-das-ruestungsprogramm-seit-den-siebziger-jahren-im-ueberblick-a-1165872.html)

 

- Am 22. März erfolgte ein weiterer Raketentest.

 

- Am 16. April feuerten die Nordkoreaner eine Kurzstrecken-Testrakete KN-17 ab, die kurz nach dem Start explodierte. (https://www.washingtonpost.com/graphics/2017/world/trump-shifting-alliances/?utm_term=.17f2e36f923d)

 

- Am 29. April feuerten die Nordkoreaner eine Mittelstreckenrakete ab, die kurz nach dem Start explodierte.

 

- Ende April verlegte die US Navy vorübergehend mehrere Kriegsschiffe in die Gewässer um Korea, darunter die Carrier Strike Group One (CSG-1) mit dem Flugzeugträger CVN-70 USS Carl Vinson und seinem Flugzeuggeschwader sowie dem Kreuzer CG-57 USS Lake Champlai und den Lenkwaffenzerstörern DDG-108 USS Wayne E. Meyer und DDG-112 USS Michael Murphy. Dieser Flottenverband wurde ergänzt durch den Zerstörer USS Carlson und das atomgetriebene U-Boot SSGN-727 USS Michigan, das am 25. April der Hafenstadt Busan einen Truppenbesuch abstattete. Daraufhin startete die nordkoreanische Marine bei Wonsan Übungen zur Bekämpfung feindlicher Schiffe. (http://www.sbs.com.au/news/article/2017/04/26/kim-jong-un-observes-artillery-drills)

 

- Am 14. Mai testeten die Nordkoreaner eine Mittelstreckenrakete Hwasong-12.

 

- Am 21. Mai testeten die Nordkoreaner eine Mittelstreckenrakete KN-15 Pukguksong-2.

 

- Am 29. Mai testeten die Nordkoreaner eine Kurzstreckenrakete KN-17 Pukguksong-2.

 

- Im Mai verlegte die US Marine den Lenkwaffen-Zerstörer DDG-63 USS Robert Stethem in die Gewässer um Korea.

 

- Am 8. Juni testeten die Nordkoreaner vier Marschflugkörper zur Schiffsbekämpfung.

 

- Am 13. Juni überflog eine nordkoreanische Aufklärungsdrone eine Stellung des im Aufbau befindlichen südkoreanischen US-Raketenabwehrsystems Terminal High Altitude Area Defense (THAAD). Das System soll voraussichtlich Ende 2017 einsatzbereit sein. (http://orf.at//stories/2395267/)

 

- Im Juni wurde die CSG-1 durch die Carrier Strike Group 5 (CSG-5) mit dem Flugzeugträger CVN-76 USS Ronald Reagan verstärkt. An Bord ist das Trägergeschwader Carrier Air Wing 5 (CVW-5) eingeschifft. Begleitet wird der Flugzeugträger von mehreren Kreuzern und Zerstörern.

 

- Am 4. Juli testete Nordkorea eine Rakete vom Typ Hwasong-14. Diese Interkontinentalrakete hat – nach Schätzungen der Experten – eine Reichweite von maximal 6.700 km und könnte damit den US-Bundesstaat Alaska völlig abdecken.

 

- Am 28. Juli testete Nordkorea erneut eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-14.

 

- Am 31. Juli testeten die US-Streitkräfte ihr in Alaska stationiertes Raketenabwehrsystem Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) zur Bekämpfung von Mittelstreckenraketen. Dazu feuerte ein in Hawaii stationiertes Transportflugzeug C-17 im Flug eine Zielrakete ab. (http://edition.cnn.com/2017/07/30/politics/us-military-tests-thaad-system/index.html)

 

- Am 2. August feuerten die USA im Gegenzug eine Interkontinentalrakete vom Typ LGM-30 Minuteman III von ihrem kalifornischen Testgelände Vandenberg AFB (= Air Force Base) ab. Nach einem Flug von 6700 km stürzte die Rakete in den Südpazifik.

 

- Am 8. August drohte US-Präsident Donald Trump dem nordkoreanischen Regime mit „Feuer und Wut“ („fire and fury“).

 

Daraufhin erklärte die nordkoreanische Regierung, man ziehe einen Raketenangriff auf Guam „ernsthaft in Erwägung“. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/guam-und-nordkorea-militaerisches-drehkreuz-im-pazifik-die-fakten-a-1162010.html) In Frage käme ein Angriff mit mehreren Mittelstreckenraketen Hwasong-12. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-vs-kim-jong-un-nordkorea-praesentiert-plan-fuer-angriff-auf-guam-a-1162150.html)

 

Die US-Nachrichtendienste erstellten eine geheime Einschätzung, danach haben die nordkoreanischen Techniker Atomsprengköpfe soweit miniaturisiert, dass sie vom Gewicht und Volumen auf eine Rakete montiert werden können. (https://www.washingtonpost.com/graphics/2017/world/trump-shifting-alliances/?utm_term=.17f2e36f923d)

 

- Am 9. August forderte US-Verteidigungsminister James Mattis die Nordkoreaner auf, das Land solle jegliche Schritte unterlassen, die „zum Ende seines Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen werden“. Das Land würde gegen die Übermacht der USA „jedes Wettrüsten und jeden Krieg verlieren“. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/atom-krise-us-verteidigungsminister-droht-mit-vernichtung-nordkoreas-a-1162123.html)

 

- Am 26. August feuerte Nordkorea erneut zwei oder drei Kurzstreckenraketen vom Typ Scud ab. Sie stürzten vor der Ostküste des Landes ins Meer.

 

- Am 26. August testete Nordkorea eine Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von 2700 km. Die Rakete erreicht eine Höhe von 550 km und flog über Japan.

 

- Am 29. August testete Nordkorea eine Mittelstreckenrakete Hwasong-12, die über Japan flog.

 

- Am 3. September führten die nordkoreanischen Streitkräfte einen sechsten, unterirdischen Nukleartest auf seinem Testgelände Punggye-ri durch. Nach nordkoreanischen Angaben handelte es sich um den „erfolgreichen“ Test einer Wasserstoffbombe; aber Experten gaben die Sprengkraft mit „nur“ 50 bis 100 Kilotonnen an. (https://www.heise.de/tp/features/Nordkorea-hat-angeblich-erfolgreich-einen-Atomwaffentest-durchgefuehrt-3820626.html)

 

- Am 15. September testeten die Nordkoreaner erneut eine Mittelstreckenrakete Hwasong-12, die über die japanische Hauptinsel Hokkaido flog.

 

- Am 18. September schickte die US-Air Force einen Verband aus zwei konventionellen Langstreckenbomber B-1B Lancer von der Anderson AFB auf Guam, mehreren hypermodernen Stealth-Jagdbombern F-35B und Jagdbombern F-15K Eagle der südkoreanischen Luftwaffe zu einem gemeinsamen „Show-of-force“-Patrouillenflug östlich der nordkoreanischen Luftraumgrenze. Es war das erste Mal im 21. Jahrhundert, dass sich amerikanische Kampfflugzeuge dem nordkoreanischen Luftraum so weit näherten. (https://www.cnbc.com/2017/09/23/us-bombers-fly-off-north-koreas-coast-in-show-of-force.html) Ein Pentagon-Sprecher erklärte dazu: „Wir sind bereit, die volle Bandbreite militärischer Fähigkeiten zu nutzen, um unser Heimatland und unsere Verbündeten zu schützen.“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-schickt-us-bomber-vor-kueste-von-nordkorea-a-1169521.html)

 

- Am 19. September hielt der amtierende US-Präsident Donald Trump vor der 72. UN-Generalversammlung seine erste Rede, in der er Nordkorea – entgegen den Bestimmungen der UN-Charta – massiv bedrohte. Trump drohte dem Land eine „völliger Zerstörung“ an:

 

“If this is not twisted enough, now North Korea's reckless pursuit of nuclear weapons and ballistic missiles threatens the entire world with unthinkable loss of human life.  (…)

 

The United States has great strength and patience, but if it is forced to defend itself or its allies, we will have no choice but to totally destroy North Korea. Rocket Man is on a suicide mission for himself and for his regime. The United States is ready, willing and able, but hopefully this will not be necessary. That’s what the United Nations is all about; that’s what the United Nations is for. Let’s see how they do.” (https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/09/19/remarks-president-trump-72nd-session-united-nations-general-assembly)

 

- Am 21. September traf sich Präsident Donald Trump mit dem südkoreanischen Regierungschef Moon Jae-in im Palace Hotel in New York zu einem Meinungsaustausch, bei der sich der südkoreanische Präsident für ein “regime change” in Nordkorea aussprach: „You made a very strong speech, and I believe that the strength of your speech will also help to change North Korea.“ (https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/09/21/remarks-president-trump-and-president-moon-republic-korea-bilateral) Bei dieser Gelegenheit forderte Donald Trump erneut eine „complete denuclearization of North Korea“. Am folgenden Tag gab das White House eine entsprechende Presseerklärung heraus:

 

“President Trump and President Moon reaffirmed the two countries’ joint goal of pursuing the complete, verifiable, and irreversible denuclearization of North Korea in a peaceful manner. They shared the view that maintaining overwhelming military superiority over North Korea is essential, and committed to maintain and strengthen our robust combined defense posture, including through South Korea’s acquisition and development of highly advanced military assets. They also agreed to the enhanced deployment of U.S. strategic assets in and around South Korea on a rotational basis. The two leaders committed to continue their close consultation when President Trump visits Seoul in November.” (https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/09/22/joint-readout-meeting-between-president-donald-j-trump-united-states-and)

 

In Erwiderung erklärte der nordkoreanische Staats- und Regierungschef Kim Jong Un, dass die UN-Rede des US-Präsidenten ihn an „Hundegebell“ erinnere:

 

A frightened dog barks louder. (…)

 

The mentally deranged behaviour of the US president openly expressing on the UN arena the unethical will to “totally destroy” a sovereign state, beyond the boundary of threats of regime change or overturn of social system, makes even those with normal thinking faculty reconsider discretion and composure. (…)

 

Now that Trump has denied the existence of and insulted me and my country in front of the eyes of the world and made the most ferocious declaration of war in history that he would destroy the DPRK, we will consider with seriousness taking a corresponding, highest level of hard-line countermeasure in history.

 

Action is the best option in treating the dotard who, hard of hearing, is uttering only what he wants to say. (…)

 

Whatever Trump might have expected, he will face results beyond his expectation.

 

I will surely and definitely tame the mentally deranged US dotard with fire.” (https://www.voanews.com/a/full-text-of-kim-jong-uns-statement-as-published-by-kcna/4039855.html)

 

Ebenfalls am 21. September führte die US Army erneut einen Test ihres Raketenabwehrsystem THAAD durch: Dazu feuerte ein Transportflugzeug vom Typ C-17 über dem Pazifik eine Zielrakete ab, die anschließend von der Abwehrrakete getroffen und zerstört wurde. Dieser Systemtest trug die Bezeichnung Flight Experiment THAAD – 01 (FET-01). Beteiligt war die 11th Air Defense Artillery Brigade aus Fort Bliss, die dazu eigens zum Pacific Spaceport Complex in Kodiak (Alaska) verlegt wurde. (http://scout.com/military/warrior/Article/Could-THAAD-Protect-South-Korea-From-Massive-North-Korean-Missil-105944331)

 

- Am 22. September kündigte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho einen überirdischen Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik an. Eine solche Bombe kann eine Sprengkraft im Megatonnenbereich haben.

 

Am gleichen Tag klassifizierte der russische Außenminister Sergej Lawrow den verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden Regierungschefs als „Kindergarten-Streit“ und forderte die beiden „Hitzköpfe“ zur Beruhigung auf. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-sergej-lawrow-ermahnt-donald-trump-und-kim-jong-un-a-1169476.html)

 

- Am 23. September erklärte Präsident Trump bei einer Rede in Huntsville (Alabama):

 

"We have some really, really bad people and we are going to take care of the bad people. It's about time. Little Rocketman should have been handled a long time ago, by Clinton - I won't mention the Republicans - by Obama. We can't have that madman out there shooting rockets all over the place. He is talking about massive weapons exploding all over the Pacific Ocean which causes a terrific calamity where the plume goes. Maybe something gets worked out, maybe it doesn't, personally I am not sure it will. But I will tell you something, you are protected. Nobody is going to mess with our people, nobody is going to play games, nobody is going to put our people in that kind of danger. He may be smart, he may be totally strategic, he may be crazy, but we are going to handle it, folks." (http://www.telegraph.co.uk/news/2017/09/23/donald-trump-promises-americans-will-protected-little-rocketman/)

 

Daraufhin erklärte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho, „ein Besuch unserer Raketen im gesamten US-Festland ist unvermeidlich geworden“, man werde gegebenenfalls „erbarmungslose, präventive Schritte“ unternehmen. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-schickt-us-bomber-vor-kueste-von-nordkorea-a-1169521.html)

 

Am späten Samstagabend „twitterte“ Trump: “Just heard Foreign Minister of North Korea speak at U.N. If he echoes thoughts of Little Rocket Man, they won't be around much longer!" (https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/dprk/2017/dprk-170925-voa01.htm?_m=3n%2e002a%2e2114%2eqf0ao0cn3q%2e1y10)

 

Es blieb an diesem Tag nicht bei einem bloßen Wortgeplänkel: Am 23. September entsandte die US-Air Force erneut Langstreckenbomber B-1B Lancer von Guam zu einem zweiten Patrouillenflug in den Luftraum um Korea. Diesmal wurden die Bomber begleitet durch amerikanische Jagdbomber F-15C Eagle und F-16 Fighting Falcon, die auf Okinawa disloziert sind. (https://theaviationist.com/2017/09/23/u-s-b-1-lancer-bombers-escorted-by-f-15-jets-fly-east-of-north-korea-north-of-the-dmz-four-reasons-why-this-time-it-is-interesting/)

 

- Am 25. September drohte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho daraufhin mit einem Abschuss amerikanischer Kampfflugzeuge: “Given the fact that this comes from someone who is currently holding the seat of United States presidency, this is clearly a declaration of war. All the member states participating in the United Nations and the whole world should clearly remember that it was the U.S. who first declared war on our country." (https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/dprk/2017/dprk-170925-voa01.htm?_m=3n%2e002a%2e2114%2eqf0ao0cn3q%2e1y10) Daher habe Nordkorea „jedes Recht Gegenmaßnahmen zu ergreifen und auch strategische US-Bomber abzuschießen, selbst wenn sich diese nicht in unserem Luftraum befinden.“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-wertet-donald-trumps-worte-als-kriegserklaerung-a-1169841.html)

 

- Am 26. September versuchte US-Verteidigungsminister zu deeskalieren. Bei einer Pressekonferenz in Neu Dehli (Indien) erklärte er:

 

"We maintain the capability to deter North Korea's most dangerous threats, but we also will back up our diplomats in a manner to keep this as long as possible in the diplomatic realm. (…) Our goal is to solve this diplomatically." (http://www.independent.co.uk/news/world/americas/james-mattis-north-korea-war-us-declare-nuclear-diplomacy-india-donald-trump-a7967721.html)

 

- Am 26. September erklärte Trump, dass die US-Militärs einsatzbereit seien: "We are totally prepared for the second option, not a preferred option, but if we take that option it will be devastating, I will tell you that – devastating for North Korea. That's called the military option. If we have to take it, we will." (https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/dprk/2017/dprk-170926-voa01.htm?_m=3n%2e002a%2e2115%2eqf0ao0cn3q%2e1y27)

 

Am 26. September erklärte der Vorsitzende des US-Generalstabs, General Joseph Dunford, vor dem Streitkräfteausschuss des Senats (Senate Armed Services Committee), dass Nordkorea bald in der Lage sein werde, US-Territorium nuklear anzugreifen: "Whether it is three months or six months or 18 months, it is soon, and we ought to conduct ourselves as though it is just a matter of time" (https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/dprk/2017/dprk-170926-voa01.htm?_m=3n%2e002a%2e2115%2eqf0ao0cn3q%2e1y27)

 

Am gleichen Tag berichtete der Leiter des Geheimdienstausschusses des südkoreanischen Parlaments, Lee Cheol-woo, dass die nordkoreanischen Streitkräfte ihre Flugzeuge und andere Truppenteile umgruppieren.

 

Schlussbemerkungen

 

Es ist wichtig anzumerken, dass es sich bei diesem Nuklearkonflikt keineswegs nur um den Hahnenkampf zwischen den beiden Egomanen Donald Trump und Kim Jung Un handelt. Beide Seiten haben „objektive Gründe“ für ihre Position: Nordkorea setzt mit seinem Atomarsenal auf Abschreckung und versucht so, sein antiquiertes autoritäres Regime zu stabilisieren. Die USA befürchten, dass die Nordkoreaner in ihrem Raketen- und Atomprogramm weitere Fortschritte erzielen in Richtung Reichweitensteigerung und Miniaturisierung von Atomgefechtsköpfen, so dass sie – über kurz oder lang – US-Territorium mit einem NEMP-Schlag (= Nuclear Electromagnetic Puls) angreifen könnten. Bis es soweit ist, liegen die vorgelagerten amerikanischen Inseln Hawaii und Guam in der Reichweite nordkoreanischer Raketen.

 

Der konventionelle US-Kriegsplan zur „Verteidigung“ Südkoreas heißt Operations Plan 5015 (OPLAN 5015) und wurde erst 2015 verabschiedet. Er sieht u. a. „decapitation raids“ gegen die nordkoreanische Führungsspitze vor. Seine Annahmen und Optionen werden ständig in verschiedenen Manövern getestet: FOAL EAGLE, KEY RESOLVE, ULCHI FREEDEM GUARDIAN etc.. (https://www.wsws.org/en/articles/2017/09/18/kore-s18.html)

 

Im August 2017 kündigte der Chairman of the Joint Chiefs of Staff (CJCS), General Joseph Dunford, an, dass er eine „military solution“ des amerikanisch-nordkoreanischen Konflikts für durchführbar hält. Entsprechende Optionen würden gegenwärtig ausgearbeitet: "What is unimaginable is allowing [North Korean leader Kim Jong-Un] to develop ballistic missiles with a nuclear warhead that can threaten the United States and continue to threaten the region." (http://www.bbc.com/news/world-asia-40959785)

 

Nach Ansicht des amerikanischen Nordkorea-Experten Peter Hayes hat Trumps militaristische Rhetorik Methode. In einem Interview mit dem „Spiegel“ behauptete er:

 

„Gemessen an den normalen Maßstäben, die für ein verantwortungsbewusstes Handeln eines Präsidenten gelten, war sein Verhalten einfach nur erschreckend. Es ist offensichtlich, dass ihm Korea egal ist, dass er sich um Nuklearkriege, Abschreckung und Handel nicht schert. Er verhält sich rücksichtslos und nutzt Amerikas Militärmacht, um Gegner wie auch Verbündete zu bedrohen. So will er sie verwirren und aus dem Takt bringen. Immer wenn das Durcheinander dann am größten ist, versucht er, irgendeinen Vorteil zu erzielen - einen Waffendeal mit Südkorea, neue chinesische Sanktionen gegen den Norden. (…)

 

Dieser Ansatz folgt keiner klaren Geo-Strategie, er besteht sogar aus sich widersprechenden Strategien. Sein Handeln widerspricht klar dem Konzept hegemonialer Führung, nach dem ein Hegemon wie die USA Gefolgschaft anderer eigentlich durch Konsens und klare Führung erreichen sollte, nicht durch Drohungen und Zwang. Ich denke, wir befinden uns in der Phase eines posthegemonialen Interregnums. Und Trump ist schlicht ein Symptom des Zerfalls.“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-experte-nicht-sicher-dass-die-usa-einen-krieg-gewinnen-wuerden-a-1166677.html)

 

Nach Medienberichten hat die nordkoreanische Regierung Schwierigkeiten, Donald Trump und seine Erklärungen richtig einzuschätzen. Insbesondere dem nordkoreanischen Militär gehe es ziemlich auf die Nerven, dass Donald Trump den Ernst der Lage nicht erkennen würde. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-vs-kim-jong-un-nordkorea-praesentiert-plan-fuer-angriff-auf-guam-a-1162150.html)

 

Wahrscheinlich würden die USA in Falle eines Krieges „siegen“, aber ein großer Teil der Zivilbevölkerung der beiden US-Verbündeten Südkorea und Japan würden dies nicht mehr erleben.

 

 

 
   
 
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