Militärforschung
  Palomares
 

Palomares:

Am 17. Januar 1966 kollidierten über dem kleinen andulusischen Dorf Palomares (ca. 1.200 Einwohner) zwei amerikanische Militärflugzeuge. Ein Bomber vom Typ Boeing B-52G Stratofortress der 51st Bomb Squadron (Seymour Johnson AFB, USA) stieß bei einem Luftbetankungsmanöver mit einem Tankflugzeug Boeing KC-135A-BN Stratotanker der 910th AREFS (Morón de la Frontera, Spanien) in der Luft zusammen. Der Bomber befand sich auf dem Rückflug von einem CHROME DOME-Einsatz und hatte vier Wasserstoffbomben vom Typ B-28 Fusing Internal (B-28FI) an Bord. Diese Bomben hatten einen konventionellen Zündsatz (PBX-9505, Cyclotol und TNT), der eine Kernspaltungsladung vom Typ W-34 Python mit jeweils 11 kg Plutonium zur Implosion brachte, wodurch wiederum die Kernfusionsladung aus Lithium-6 und Deuteriumoxid gezündet wurden. Die Sprengkraft der Wasserstoffbomben war variabel einstellbar von 70.000 Tonnen bis 1.450.000 Tonnen Sprengkraft (TNT-Äquivalent) pro Bombe. In der Nomenklatur der US-Air Force bezeichnet man einen solchen schweren Atomwaffenunfall mit radioaktiver Verstrahlung als BROKEN ARROW.

Drei der sieben Besatzungsmitglieder des Bombers kamen bei dem Unfall ums Leben (Oberleutnant George J. Glessner, Oberleutnant Stephen S. Montanus und Feldwebel Ronald P. Snyder), an Bord des Tankflugzeuges starben alle Besatzungsmitglieder (Major Emil J. Chapla, Hauptmann Paul R. Lane, Hauptmann Leo E. Simmons und Stabsfeldwebel Lloyd G. Potolicchio).

Eine der Wasserstoffbomben landete im ausgetrockneten Flussbett des Almanzora und blieb unbeschädigt. Zwei weitere Bomben krachten in der Nähe des Friedhofs am südöstlichen Dorfrand nieder und zerbrachen beim Aufschlag. Dabei explodierte ein Teil der konventionellen Sprengladungen. Dadurch wurde die Umgebung radioaktiv verstrahlt.

Ein vierte Bombe landete im Mittelmeer und konnte erste nach 80 Tagen - fast unbeschädigt - geborgen werden.

Die US-Air Force trug damals einen  Großteil des verstrahlten Ackerbodens mit seinem Bewuchs (Tomaten, Melonen, etc.) ab und verbrachte die kontaminierte Erde in  den USA. Dennoch gilt Palomares bis heute als der am stärktsten verstrahlte Ort in Westeuropa.

Unter dem Kommando von Generalmajor Delmar E. Wilson startete die US-Air Force eine große Räum- und Reinigungsaktion. Zu den 738 Mann an Land gehörten auch GIs aus Mannheim (BRD), die leicht verstrahlt in die Bundesrepublik zurückkehrten.

Zur Zeit streitet sich die spanische Regierung mit ihrem amerikanischen Pendant über die Finanzierung einer entgültigen Reinigung. Das in der Umgebung freigesetzte Plutonium-249 hat sich mittlerweile in das ebenfalls radioaktive, leichtflüchtige Americium-251 umgewandelt. Zum fünfzigsten Jahrestag des Atomwaffenunfalls möchte die Regierung in Madrid das Thema entlich vom Tisch haben.


KC-135R Stratotanker (Nr. 58-0100) der USAFE, 100th Air Refuelling Wing (100 ARW), aus RAF Mildenhall, United Kingdom. (Internationale Luftfahrtausstellung, Berlin, 2008)


KC-135R Stratotanker (Nr. 58-0100) der 100 ARW - Innenraum: Die Tankflugzeuge können in einer Zweitfunktion auch zum Truppentransport eingesetzt werden. (Internationale Luftfahrtausstellung, Berlin, 2008)


KC-135R Stratotanker (Nr.58- 0100) der 100 ARW in Mildenhall. Die Instrumentierung des Cockpits ist nicht vergleichbar mit der des Flugzeuges von 1966. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Oberst Eden J. Murrie der Stammpilot der Maschine. (Internationale Luftfahrtausstellung, Berlin, 2008)


KC-135R Stratotanker (Nr.58-0100) - Platz des Navigators. (Internationale Luftfahrtausstellung, Berlin, 2008)


KC-135R Stratotanker (Nr. 58-0100) - Bedienkonsole des für die Luftbetankung zuständigen Besatzungsmitgliedes im Heck der Maschine. Der so genannte "Boomer" liegt auf dem Bauch und steuert über Lichtsignale die Luftbetankung. (Internationale Luftfahrtausstellung, Berlin, 2008)


Das andalusische Dorf Palomares liegt an der Mittelmeerküste am Nordrand der Region Almería. Es ist über die Autobahn "Autopista AP-7" zu erreichen. (25.7.2010)


Ortseingang von Palomares: Palomares ist ein rechtlich und kommunalpolitisch ein Ortsteil von Cuevas del Almanzora. Von Cuevas fährt man zehn Kilometer über die Landstraße AL-8104 nach Palomares. (25.7.2010)


Palomares heute: Blick nach Nordosten zur Bergkette Sierra Almagrera, die sich parallel zur Küste weiter nach Norden erstreckt. Der "Picacho de la Matilde" (weiter westlich nicht im Bild) erreicht eine Höhe von 320 Metern. (27.7.2010)


Palomares heute: Blick nach Osten über den Ortsteil Losilla zum Mittelmeer. (27.7.2010)


Palomares - Dorfansicht (27.7.2010)


Die Hauptstraße von Palomares: Für die Fiesta zu Ehren der Schutzpatronin des Dorfes ("Nuestra Señora Virgen del Carmen") festlich geschmückt mit den Flaggen Spaniens (rot-gelb) und des Bundeslandes Andalusien (grün-weiß). (28.7.2010)


Palomares - Straßenpanorama (26.7.2010)


Palomares: typische spanische Dorfstraße (26.7.2010)


Palomares erlebte in den Jahren um die Jahrtausendwende einen regelrechten Bauboom. Zwischen den aufgehübschten "modernen" Bauten findet man immer wieder ältere Flachbauten aus den sechziger Jahren. (27.7.2010)


Einer der drei Supermärkte von Palomares. Dieser gehört zur internationalen "Spar"-Kette, die auch in der BRD präsent ist. (26.7.2010)


Der Atomwaffenunfall wird heute am liebsten totgeschwiegen. Lediglich eine kleine Gasse, die vom zentralen Dorfplatz abgeht, ist nach dem Datum des Unglücks benannt: "Calle de diecisiete enero de mil novecientos sesenta y seis". (26.7.2010)


Offizieller Bericht der US-Air Force von 1966 (289 Seiten). Gemäß dem FOIA-Gesetz wurde eine sanitisierte Fassung mittlerweile veröffentlicht. Siehe:
http://web.archive.org/web/20090327090414/http://www.dod.mil/pubs/foi/reading_room/133.pdf


Seite aus dem "BROKEN ARROW"-Bericht von 1966: Auch Jahrzehnte nach dem Absturz werden viele Informationen weiterhin geheimgehalten.


Bericht des Atombombenkonstrukteurs S. V. Asselin von der Sandia Corporation (Albuquerque, USA) über den Atomwaffenunfall vom August 1966 (55 Seiten). Das Geheimdokument wurde gemäß dem FOIA-Gesetz mittlerweile ausschnittsweise freigegeben. Siehe:
http://nnsa.energy.gov/sites/default/files/nnsa/foiareadingroom/RR00269.pdf


Das ausgetrocknete Flussbett des Almanzora, der zwischen den Bergen der Sierra Almagrera und dem nördlichen Dorfrand von West nach Ost "herfließt" . Die beiden Ufer wurden mittlerweile betoniert. Auf dem Südufer in Mündungsnähe (hier links im Bild, ca. 100 Meter entfernt) landete am 17. Januar 1966 eine H-Bombe. Nur der kleinere Bänderfallschirm hatte sich geöffnet, so dass die Bombe mit einer Geschwindigkeit von 40 Metern pro Sekunde aufschlug, dennoch blieb der Bombenkörper intakt. (26.7.2010)


Die Straße "Diseminado la Punta" (Blick nach Westen). Am Ende des Bildes liegt das Eingangstor uzur Sperrzone mitten im Villen-Wohngebiet zwischen Diseminado la Punta und Calle de las Bombardas. (1.8.2010)


Straße "Diseminado la Punta"- Eingangstor zum Sperrgebiet.. Auf den Schildern  steht: "Zutritt verboten. Nur für berechtigtes Personal" und "Plan zur energetischen und ökologischen Untersuchung zwecks radiologischer Überwachung". Das schwarz-gelbe Flügelrad als international bekanntes Radioaktivitäts-Gefahrenzeichen fehlt (absichtlich). (26.7.2010)


Blick von der Calle de la Bombardas auf das radioaktive Sperrgebiet. Durch den ablandigen Südwest-Wind wurde 1966 der radioaktive Staub von der Einschlagsstelle der zweiten Bombe in der Nähe des Friedhofs hierhin verweht.


Sperrgebiet im Wohngebiet (29.7.2010)


Blick über das Sperrgebiet im Wohngebiet.


Straße "Diseminado la Punta": Aufgebene Agrarfabrik im Sperrgebiet. Die Hauswand gilt zugleich als äußere Begrenzung der Sperrzone. (26.7.2010)


Blick in das Innere der verlassenen Agrarfabrik in der Sperrzone: Alte Obst- und Gemüsekisten blieben zurück. (29.7.2010)


Blick in das Innere der Agrarfabrik. (1.8.2010)


Der Ortsfriedhof südwestlich des Ortes im Ortsteil Los Algarrabones (Blick von der Rückseite nach Norden). Rund fünfzig Meter nördöstlich des Friedhofs liegt ein kleineres Sperrgebiet auf einem Hügel; südlich des Friedhofs ein größeres Sperrgebiet mit mehreren Tausend Quadratmetern. (27.7.2010)


Spanische Verhältnisse: Im Vordergrund das größere Sperrgebiet mit Absperrzaun; dahinter die beiden Wasserspeicher, dahinter der Friedhof mit dem zivilen Funkmast als Orientierungshilfe und nordöstlich vom Friedhof die kleinere Sperrzone auf einem hellbraunen Hügel. (27.7.2010)


Zufahrtsstraße zum Friedhof. Im Blick der radioaktiv kontaminierte Hügel (Höhe 63 Meter). Daneben der zivile Funkmast. (27.7.2010)


Sperrgebiet auf dem Hügel nordwestlich des Friedhofs (Blick von Süden in Richtung (Nordwest). (27.7.2010)


Das größere Sperrgebiet südlich des Friedhofs in den Bergketten Cerro Colorado und Tio Sadillas. Die Sperrzone erstreckt sich über eine Länge von rund 700 Metern bis zum ausgetrockneten Bachbett des Cañada del Jatico. Bei dem Mast handelt es sich vermutlich um eine meteorologische Messstation (Temperatur Windgeschwindigkeit, Windrichtung, etc.) zur Überwachung der radiologischen Ausbreitungsbedingungen. Ihre Wetterdaten sind öffentlicht zugänglich und können über das Internet abgerufen werden. (27.7.2010)


Größere Sperrzone am Friedhof: Container, Wasserbehälter (?) und Strommasten. (27.7.2010)


Sperrzone mit zwei Miet-Containern des Unternehmens "Alyser de Maqinaria" und dem meteorologischen Mast (nicht zu verwechseln mit dem Funkmast). (27.7.2010)


Kleinerer Container im Sperrgebiet mit unbekannter Funktion. (27.7.2010)


Blick von Süden über das Sperrgebiet mit den beiden Mietcontainer und eines der beiden Wasservorratsbecken in Richtung Sierra Almagrera. (27.7.2010)


Blick über das Sperrgebiet in Richtung Nordost. Am rechten Rand des Sperrgebiets ist eine radiologische Bodenmessstation erkennbar, die durch ein blaues Metallgitter geschützt wird. (27.7.2010)


Blick über das Sperrgebiet in Richtung Südost. (27.7.2010)


Vorderer und hinterer Begrenzungszaun des Sperrgebietes. Der einfache Maschendrahtzaun folgt dem Geländeprofil. (27.7.2010)


Vorderer und hinterer Zaun des Sperrgebietes. (27.7.2010)


Melonenfelder reichen bis an den Zaun des Sperrgebietes. (27.7.2010)


Überall im den Sperrgebieten ragen solche Rohre aus dem Boden. (27.7.2010)


Der Hauptplatz von Palomares zwischen der Calle Mayor (im Vordergrund) und der Calle de 17 de Enero de 1966. Hier befand sich 1966 ein staubiger Platz, auf dem sich die Dorfbevölkerung versammelte, um die neuesten Nachrichten über den Atomunfall auszutauschen. (26.7.2010)


Gaststätte in der Calle Mayor am zentralen Dorfplatz. Hier befand sich 1966 das Dorfkino, das damals als Versammlungsstätte genutzt wurde, um über die Ereignisse zu informieren und debattieren. (28.7.2010)


Die Bar Tomás am zentralen Dorfplatz in der Calle de 17 de Enero de 1966. Hier trafen sich damals die amerikanischen Soldaten und die Dorfbewohner. (29.7.2010)


Bar Tomás - Innenraum (26.7.2010)


Der natürliche Bewuchs in Palomares: Sträucher, Kakteen und Algarven. Diese Pflanzen mussten mit den Feldfrüchten 1966 abgeerntet werden. (29.7.2010)


Durch die "spanische" Sonne ist die oberste Erdschicht zu feinstem Staub zerfallen, der bei jeder Feldarbeit aufwirbelt wird Dieser Staub war 1966 - radioaktiv verstrahlt - ein großes Problem bei der Eindämmung der Kontamination. (26.7.2010)


Feldarbeit mit Staubschleppe (26.7.2010)


Gewächshaus mit Tomaten: Diese waren 1966 das Haupterzeugnis der Agrarproduktion in Palomares. (26.7.2010)


Getreide (?) zum Trocknen ausgebreitet. (28.7.2010)


Eines von mehreren Agrarunternehmen in Palomares verspricht "Sabor tradicional" (traditionellen Geschmack), was immer damit gemeint sein mag. (26.7.2010)


Das Agrarunternehmen "Domingo José Frutas y Hortalizas S. L.". Obst und Gemüse aus Palomares wird auch nach Deutschland geliefert.(25.7.2010)


Zwei bis drei  Ernten im Jahr können nur mit der chemischen Keule eingefahren werden. Hilfe verspricht der deutsche Chemiekonzern "Bayer Crop Science" mit seiner Niederlassung in Paloamres. So finden sich zwischen den Feldern kleine Steinhäuser, in denen die Bauern ihre Chemieprodukte zwischenlagern. Warnschilder mit Totenköpfen oder Säurezeichen warnen vor dem Betreten. An den Feldrändern liegen die ausgeleerten, hellblauen Plastikkanister zu Dutzenden. In Palomares meinen heute manche, die chemische Gefahr sei mittlerweile größer als die radiologische Bedrohung, was die Bauern natürlich strickt bestreiben: Alles wärei in Übereinstimmung mit den (EU-)Gesetzen. (26.7.2010)


An der Küstenstraße von Garruchar über Palomares nach Villaricos zweigt an der Repsol-Tankstelle ein Feldweg zum Strand von Quitapellejos ab. Hier schlugen die Amerikaner 1966 ihr provisorisches Militärlager auf. Das "Camp Wilson" bzw. "Campamento Wilson" bestand aus 75 Großraum-Armeezelten. Die Truppe an Land umfasste bis zu 738 Mann und 148 Fahrzeuge. (26.7.2010)

Am Feldweg befindet sich diese Turmruine. Sie finden sich auch auf alten Fotos vom "Camp Wilson" und bietet daher Orientierung. (29.7.2010)


Strand von Quitapellejos (26.7.2010)


Vom Massentourismus verschont breitet sich Sandstrand von Quitapellojos aus (Blick nach Süden). Da der Nudistenstrand in Vera Playa mittlerweile stark frequentiert wird, erobern die "Naturalistas" mittlerweile den südlichen Part von Quitapellejos: FKK am Plutoniumstrand. (26.7.2010)


Die "Seabees" der US-Navy bauten 1966 eine Buhne, um das Ab- und Anlanden der Landungsboote und Schiffe der Task Force Six Five (TF 65) zu ermöglichen. Dieser Verband umfasste 3.425 Mann und 34 Kriegsschiffe. Die abgebildete Buhne liegt an der Mündung des Almanzora. (29.7.2010)


Seekarte mit den Meerestiefen vor Palomares. (29.7.2010)


Auslage in einem Supermarkt in Palomares mit Haushaltsreiniger spanischer und internationaler Marken. Demgegenüber ist die Dekontamination der verstrahlten Flächen auch nach fünfzig Jahren noch nicht abgeschlossen. (28.7.2010)


Die Sierra Almagrera ist seit Jahrhunderten ein Bergbaugebiet. Es wird vermutet, dass die US-Streitkräfte einen Teil des kontaminierten Bodens in alten, verlassenen Minenstollen "entsorgt" wurden. (26.7.2010)


Altes Bergwerk in der Sierra Almagrera mehrere Kilometer nördlich von Palomares. (25.7.2010)


Sozialzentrum in Palomares: Im Erdgeschoss befindet sich der Freizeittreff der Senioren (span: personas de tercera edad), im ersten Stock die Staatsbibliothek. (26.7.2010)


Die "Junta" des Seniorentreffs mit den "Überlebenden" des Atomwaffenunfalls. (29.7.2010)


Der Innenraum des Seniorentreffs. Im Hintergrund vier PC-Arbeitsplätze mit Internet-Zugang: Die Moderne hat Einzug gehalten in Palomares. Im Jahre 1966 gab es in dem Dorf nicht einmal ein Telefon. (29.7.2010)


Die alten Männer von Palomares vergnügen sich in ihrer Freizeit mit denselben Hobbies, wie die alten Männer überall auf der Welt. (30.7.2010)


Regal in der "bibliotheka publica". Es gibt einen Ordner mit Zeitungsausschnitten über den Atomwaffenunfall, alllerdings kein einziges Buch - weder auf Spanisch noch in irgendeiner anderen Sprache. (26.7.2010)


Die Praxis für medizinische Ersthilfe. Im Jahre 1966 lebte in Palomares nicht einmal ein Arzt. Von 1966 bis 2010 wurden jedes Jahr mehrere ausgewählte Einwohner mit einem Sammeltaxi nach Madrid gefahren und dort im Auftrag des CIEMAT auf medizinische Spätfolgen des Atomunfalls untersucht. Die Untersuchungsergebnisse blieben geheim - auch gegenüber den Untersuchten. Im Jahre 2010 kündigte die US-Regierung ihre finanzielle Unterstützung für das Projekt auf. (25.7.2010)


Nach dem  - lange erwarteten - Zusammenbruch der spanischen "Immobilienblase" im Jahre 2006 startete die spanische Regierung ein Konjunkturprogramm "Economía Sostenible" (Plan E), von dem auch Palomares zeitweise profitierte. Durch die Banken- und Euro-Krise ist das Programm längst verpufft. (26.7.2010)


In den Jahren um die Jahrtausendwende erreichten die internationalen Touristenströme, die immer mehr nach Süden vordrangen, auch Palomares. Vor allem Engländer, die von dem starken britischen "Pfund" profitierten, erwarben in Palomares ein Ferienhaus. Mit der Banken- und Eurokrise gerieten die britischen Hauseigentümer in Finanzschwierigkeiten und konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. Die Folge: Viele Ferienhäuser werden heute zu einem niedrigen Preis angeboten, sind aber unverkäuflich, weil es entlang der gesamten spanischen Mittelmeerküste ein Überangebot an Immobilien gibt. (25.7.2010)


Altes (Bauern-)Haus in Palomares zum Verkauf: "Se Vende!" (27.7.2010)


Bauruine am nordöstlichen Stadtrand von Palomares, in der Nähe der Mündung des Almanzora. Durch die Banken- und Eurokrise wurden überall in Spanien Bauvorhaben abgebrochen, darunter auch ein halbes Dutzend Projekte in Palomares selbst. Den überflüssigen Kran ließ man einfach stehen, da das teure Gerät heute nirgendwo mehr gebraucht wird. Die Außerdem waren die Bauarbeiten risikoreich, da durch die Ausschachtungsarbeiten das Nuklearmaterial, welches im Laufe der Jahrzehnte auf eine Bodentiefe von rund 80cm abgesunken war, wieder an die Erdoberfläche gelangte.(26.7.2010)


Bauruine und unverkäufliche Fertigwohnungen in Strandnähe. Der Landstreifen zwischen dem spanischen Ortskern und dem Strand wurde im letzten Jahrzehnt bebaut, da die ausländischen Touristen ein Ferienhaus möglichst in Strandnähe anstrebten. Heute sind die Ferienwohnungen unverkäuflich, das Bauunternehmen "Construlor - Empresa Constructora" stellte das Projekt ein. (28.7.2010)


Investitionsruine: Südlich von Palomares wurde eine kilometerlange vierspurige Straße mit Mittelstreifen gebaut, die in der "Pampa" endet. Vermutlich steuerte die EU in Brüssel einen Teil der Gelder bei. (30.7.2010)


Wie jedes Dorf veranstaltet auch Palomares jedes Jahr eine Fiesta zu Ehren der lokalen Schutzheiligen, in diesem Fall "Nuestra excelsa Patrona Santísima Virgen del Carmen". Das Fest dauert fast eine Woche. (28.7.2010)


Fiesta in Palomares (1.8.2010)


Kirmesvergnügen für die einheimischen Kinder: Matadores mit Indianerschmuck (31.7.2010)


Kinderkarussel "Ranita loca": Im Hintergrund ist der radioaktive Hügel am Friedhof mit dem Funkmast erkennbar. (30.7.2010)


Lokale Grundschule: "Juntos hacemos la paz" (Gemeinsam gestalten wir den Frieden). (26.7.2010)


Ortseingangsschild von Villaricos nördlich von Palomares. Zwischen dem Bauerndorf Palomares und dem Fischerdorf Villaricos gibt es traditionell Rivalität. (29.7.2010)


Blick auf Villaricos mit dem Strand aus schwarzem Geröll und den Bergen der Sierra Almagrera im Hintergrund. Im Jahr 1966 gab es in Villaricos eine Decca-Funkanlage, die den Militärflugzeugen zur Navigation diente. (29.7.2010)


Fischerboot im Hafen von Villaricos: Im Laufe der Jahrzehnte wurde ein Teil der Radioaktivität durch den Regen aus dem Erdboden ins Meer gespült. Soweit bekannt sind die Fische noch nicht belastet, allerdings fand sich in Meeresalgen erhöhte Strahlung.


Cartagena: Die Hafenstadt beherbergt das Hauptquartier der spanischen Mittelmeerflotte. Im Jahre 1966 diente die Stadt als logistische Basis für die Aufräumungs- und Sanierungsmaßnahmen.


San Javier: Im Jahre 1966 wurde über den zivil-miitärischen Flughafen von San Javier am Mar Menor Personal und Spezialtechnik eingeflogen. Heute beherrbergt die Basis die Kunstflugstaffel Àguilas der spanischen Luftwaffe.


Madrid: Sitz der obersten Atomaufsichtsbehörde, dem Consejo de Seguridad Nacional (CSN). (10.8.2010)


Madrid: Die spanische Umwelt- und Strahlenschutzbehörde CIEMAT (Centro des Investigaciones Energéticas, Medioambientales y Technológicas), hier Schild am Eingang. Das Amt hat seinen Sitz am Nordrand des Campus der Universidad Complutense. (22.7.2010)


Madrid: CIEMAT (22.7.2010)


Madrid: CIEMAT-Übersichtsplan (22.7.2010)


Einer der Berichte des CIEMAT zu den radiologischen Folgen des Atomwaffenunfalls.


Das antike keltische Symbol "Indalo" ist heute das Markenzeichen der Region Almería. Es gab den Namen für das radiologische Überwachungsprogramm des CIEMAT in Palomares: INDALO (29.7.2010)


Madrid: Sitz des Unternehmens "Enusa Industrias Avanzadas S. A." in Madrid (Santiago Rusiñol 12), das mit den radiologischen Messungen beauftragt worden war. (23.7.2010)


Madrid: Die Botschaft der USA. (23.7.2010)


Das faschistische Regime von "Generalissimo" Francisco Franco Bahamondo (t 1975) versuchte den Atomwaffenunfall weitgehend geheimzuhalten, u. a. um die eigenen Atomwaffenpläne nicht zu gefährden. So konnte erst 1985 das erste Buch in Spanien zu dem Unfall veröffentlicht werden: Rafael Lorente, ein Augenzeuge des Unfall aus Garrucha, publizierte "Las bombas de Palomares - Ayer y hoy" im Verlag "Ediciones Libertarias" in Madrid.


Luisa Isabel Álvarez de Toledo, Duquesa de Medina Sidonia, ist in Spanien unter ihrem Spitznamen "die rote Herzogin" bekannt. Obwohl eine der reichsten Adligen in Spanien, setzte sie sich bereits in den sechziger Jahren für die gewerkschaftlichen Rechte der Landarbeiter in Andalusien ein. Als sich 1966 der Unfall in Palomares ereignete, reiste sie sofort dorthin, um sich vor Ort über die Ereignisse zu unterrichten und der betroffenen Bevölkerung (juristischen) Beistand zu leisten. Sie wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Nach ihrer Haftentlassung flüchtete sie in Pariser Exil. Über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in Palomares wollte sie Ende der sechziger Jahre in Spanien ein Buch veröffentlichen, aber dies war unter dem Franco-Faschismus nicht möglich. Erst im Jahr 2001, also 35 Jahre nach dem Unfall, gab die Fernuniversität in Madrid (Universidad Nacional de Educación a Distancia - UNED) das alte Originalmanuskript unter dem Titel "Palomares (Memoria)" heraus.


Die US-Streitkräfte machten 1966 zahlreiche Filmaufnahmen von ihren Aufräum- und Sanierungsarbeiten, die aber nie veröffentlicht wurden. Der Großteil der Aufnahmen wurde 1991 bis 1993 ungenutzt gelöscht. Den Rest konnte die beiden spanischen Filmemacher SAntonio Sánchez Picón und José Herrera Plaza bei der amerikanischen National Archives and Records Administration (NARA) einsehen und sichern. Auf Basis dieser Filmaufnahmen produzierten sie den Film "Operación Flecha Rota - Accidente nuclear de Palomares (Almería)" (96 Minuten). Ergänzend zum Film erschien 2003 ein entsprechender Fotoband (183 Seiten). Dieser Bildband mit den alten Fotos der US-Streitkräfte kann nicht über den allgemeinen Buchhandel, sondern nur über den Herausgeber, die Landesregierung von Andalusien, bezogen werden:  Junta de Andalucia - Consejería de Cultura, Centro Andaluz de la Fotografia,
C/ Martínez Campos no. 20, 04001 Almería.


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