Militärforschung
  Solferino
 

Schlacht von Solferino und San Martino della Battaglia (24. Juni 1859)


Die italienische Unabhängigkeits- und Einheitsbewegung ("Risorgimento italiano") führte zum so genannten "Sardischen Krieg" gegen die österreichische Besatzungsmacht in den norditalienischen Provinzen. Im Rahmen des Krieges kam es am 24. Juni 1859 - mehr oder weniger zufällig - zu einer Begegnungsschlacht. Die kleine Armee der italienischen Aufständischen unter Führung von König Vittorio Emanuele II. wurde vom französischen Heer unter Führung von Kaiser Napoléon III. unterstützt; Befehlshaber des österreichischen Heeres war Kaiser Franz Joseph I.. Der "Deutsche Bund" bzw.das Königreich Preußen verweigerte damals den Österreichern militärischen Beistand. Eine deutsche Mobilmachung wurde zwar am 19. April 1859 formal beschlossen aber nicht ausgeführt.

Auf Seiten der französisch-italienischen Kriegskoalition nahmen rund 122.000 bis 135.000 Soldaten mit 12.000 Pferden und 338 Kanonen an der Schlacht teil, auf Seiten der Österreicher waren es - nach unterschiedlichen Angaben - 140.000 bis 144.000 Soldaten, 19.000 bis 26.000 Pferde und 976 bis 1.500 Kanonen.

Das Schlachtfeld erstreckte sich von Pozzolengo im Nordosten bis Cavriana im Südosten, Médole im Südwesten und Rivoltella im Nordwesten. Der Frontverlauf dehnte sich auf eine Länge von insgesamt rund 20 km aus. In den Gemeinden drumherum befanden sich die Ausgangsstellungen der beteiligten Truppenteile: Pozzolengo (österreichisches VIII. Korps), Volta Mantovana im Südosten (HQ 2. Armee Österreichs), Gereta im Südosten (HQ 1. Armee Österreichs), Mezzane im Südwesten ( III. französisches Armeekorps), Médole (IV. französisches Armeekorps), Castiglione delle Stiviere im Westen (Imperiale Garde und II. Armeekorps Frankreichs) und in Lonato im Nordwesten (italienische Verbände, u. a. die Brigaden Sardegna, Savoia, Aosta, Piemonte, Cuneo, Pinerolo, Regina, Savona, Casale und Acqui).

Die Kämpfe dauerte einen ganzen Tag. Nach amtlichen Angaben forderte die Schlacht 4.665 bis 4.783 Tote plus 10.930 bis 12.066 Soldaten, die offiziell als Vermißte oder Gefangene registriert wurden, und 22.707 bis 23.319 Verwundete.

In der Folge der Schlacht musste Österreich die Lombardei an das Königreich Sardinien-Piemont abtreten, aus dem wenige Jahre später das Königreich Italien hervorging. Außerdem gelang es dem Königreich Preußen die Österreicher aus dem "Deutschen Bund" hinauszudrängen, in dem 1870 schließlich Preußen die Führungsrolle übernahm.

Der Genfer Kaufmann Jean Henry Dunant war zufälliger Weise ein Augenzeuge der Schlacht. In dem Dorf Castiglione delle Stiviere (ca. 9 km westlich von Solferino) half er bei der Erstversorgung der Verwundeten durch die lokalen Bauersfrauen, da es fast keine militärische Sanitätsversorgung gab. Über seine Erlebnisse veröffentlichte Dunant 1862 das Buch "Un Souvenir de Solferino" (dt.: "Eine Erinnerung an Solferino"). Darin beschrieb Henry Dunant das Leid der Verwundeten:

"Die unglücklichen Verwundeten, die man tagüber aufsammelt, sind bleich, fahl und verstört. Einige, und insbesondere diejenigen, die stark verstümmelt sind, sehen stier vor sich hin und scheinen nicht zu begreifen, was man zu ihnen sagt. Sie blicken ihre Retter mit leeren Augen an, aber diese scheinbare Gefühllosigkeit hindert sie nicht, die Schmerzen ihrer Wunden zu empfinden. Andere sind unruhig, ihre Nerven sind völlig erschüttert. Sie zucken krampfhaft zusammen. Die, deren offene Wunden sich bereits entzündet haben, sind wie von Sinnen vor Schmerzen. Sie verlangen, dass man sie umbringt, sie winden sich mit verzerrten Gesichtern in den letzen Zügen des Todeskampfes."

Mit Hilfe dieses Buches gelang es Henry Dunant ein Jahr später ein "Internationales Komittee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege" zu initiieren, aus dem 1876 das  "Internationale Komitee vom Roten Kreuz" (IKRK) in Genf hervorging.

Zur Erinnerung an die Schlacht und das Werk von Henry Dunant findet jedes Jahr am 24. Juni ein Fackelumzug (die "Fiaccolata") von Solferino nach Castiglione delle Stiviere statt. Beteiligt sind vor allem Vertreter der Organisationen des Jugendrotkreuz aus verschiedenen Ländern.


Ortseingang von Solferino südlich des Garda-Sees in der Lombardei. Der Ort hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme rund 2.500 Einwohner.(25.9.2008)


Solferino: Blick vom Schlossplatz nach Osten auf den Ortskern. (25.9.2008)


Solferino: Die Via Garibaldi (25.9.2008)


Der Schlossplatz (Plaza Castello) mit der Kirche San Nicola di Bari. Im Hintergrund der Wachturm "La Rocca". Hier kämpften die Österreicher vom 21. Infanterieregiment Reischach und vom 31. Infanterieregiment vergeblich gegen die anstürmenden Franzosen von der 1. Division, die von der 2. Division der Imperialen Garde unterstützt wurde. Der Schlossplatz war damals übersät mit Leichen. Heutzutage startet im Schloßhof alljährlich am Jahrestag der Schlacht ein Fackelumzug ("Fiaccolata") der Jugendorganisationen des Roten Kreuzes, der ins neun Kilometer entfernte Castiglione delle Stiviere führt, wo Henry Dunant, der Begründer des Roten Kreuzes, damals bei der Verwundetenversorgung half. (25.9.2008)


Eckturm des Palastes des Marquis Gonzaga, der so genannte "Torre Gonzaghesca". Heute befindet sich hier der Sitz der Historischen Kommission des Roten Kreuzes (ital.: Sede di rappresentanza della Delegazione Storica di Solferino). (25.9.2008)


Blick auf "La Rocca", der als Aufklärungturm auch die Bezeichnung "Spia d´Italia" ("Spion von Italien") erhielt. Der Turm ist 28 m hoch und liegt auf einem Höhenzug (ca. 100 m über N.N.). Er beherbergt heute ein kleines Museum (Museo della Rocca). (25.9.2008)


Übersicht über die Anordnung der Verbände in der Schlacht von Solferino. (25.9.2008)


Historische Karte des österreichischen Generalstabs vom nördlichen Schlachtfeld bis zum Ufer des "Lago di Garda" (Gardasee).


Historische Karte des österreichischen Generalstabs mit der Heide von Medolé südlich von Solferino am oberen Bildrand.


Schlachtengemälde über die Kämpfe des "Risorgimento italiano". Halbrundes Monumentalgemälde im "Torre Monumentale" in San Martino della Battaglia: Französische Infanterie in blauen Uniformen geht gegen österreichische Infanteristen (weiße Bluse mit blauen Hosen) vor.


Schlachtengemälde aus der Zeit des "Risorgimento italiano" . Halbrundes Monumentalgemälde im "Torre Monumentale" von San Martino della Battaglia. Hier: Selbstversorgung der Verwundeten.


San Martino della Battaglia: Blick vom "Torre Monumentale" über das alte Schlachtfeld nach Norden in Richtung Gardasee. Im Hintergrund ist der Höhenzug der Alpen erkennbar. (28.9.2008)


San Martino della Battaglia: Blick vom "Torre Monumentale" über das alte Schlachtfeld nach Süden in Richtung Solferino. Am Horizont ist der Wachturm "la Rocca" zu erkennen. (28.9.2008)


Solferino: Blick vom Schlossplatz über das alte Schlachtfeld nach Norden in Richtung San Martino della Battaglia. Am Horizont ist der "Torre Monumentale" erkennbar. (25.9.2008)


Solferino: Blick vom Schlossplatz über das alte Schlachtfeld nach Süden mit der Heide von Medolé. (25.9.2008)


Solferino: Das lokale Schlachtenmuseum (Museo Storico Risorgimentale di Solferino) wurde 1931 eröffnet. (25.9.2008)


San Martino della Battaglia: Das Schlachtenmuseum  ("Museo della Battaglia" oder "Museo del Risorgimento") am Fuße des "Torre Monumentale" wurde 1939 errichtet. (28.9.2008)


Bronze-Büste des französischen General Charles Auger, der in der Schlacht fiel. (Ausstellungsstück im Museum im "La Rocca", Solferino.)


Bronze-Büste des französischen Brigadekommandeurs General Carl Prospero Dieu, der in der Schlacht fiel. (Ausstellungstück im Museum im "La Rocca" in Solferino.)


Uniform eines französischen Zuaven. Dabei handelte es sich um französische Kolonialtruppen aus der algerischen Kabylai. (Ausstellungsstück im Museum von "La Rocca" in Solferino).


Handfeuerwaffen aus der Zeit des "Risorgimento italiano". Es handelte sich um Vorderlader. (Ausstellungsstücke im Museum von San Martino della Battaglia).


Munition für die Glattrohrigen Vorderlader: Minié-Ball mit "Cannelures"-Rillen zur Flugstabilisierung. Diese großkalibrigen Geschosse hatte - je nach Modell - einen Durchmesser von 13,9 bis 17,8 mm bei einem Gewicht von maximal 32,4 Gramm und besaßen eine solche Durchschlagskraft, das sie ein 10 cm dickes Holzstück noch in über 900 m Entfernung durchschlagen konnten. Entsprechend schwer waren die Schußverletzungen. (Ausstellungsstücke im Museum von San Martino della Battaglia).


Sardische Kanone mit einem Kaliber von 15 cm. Die Kugel mit einem Gewicht von 6,2 kg konnte 1.200 m weit fliegen. (Ausstellungsstück im Museum von San Martino della Battaglia).


Kanonenkugel und Pulverladungen (Ausstellungstücke im Museum von San Martino della Battaglia).


San Martino de Battaglia:  Der "Torre Monumentale" wurde 1893 zu Ehren des italienischen Staatsgründers König Vittorio Emanuele II errichtet. Er hat eine Höhe von 64,60 m. (28.9.2008)


San Martino della Battaglia: Kitschiges Bild zur Glorifizierung von König Vittorio Emanuele II: Einzug des Königs ins (antike) Rom. (Wandgemälde im Erdgeschoss des "Torre Monumentale".


San Martino della Battalia: Aufgang im Rundturm "Torre Monumentale". In der "Galleria Della Grande Guerra" gibt es - auf sieben Stockwerken verteilt - jeweils ein riesiges Gemälde einer Schlacht aus der Zeit des "Risorgimento italiano". (28.9.2008)


Peschiera del Garda: Südseite der Festung. Der Wassergraben wird durch den Fluß Mincio gespeist, der in Peschiera del Garda in den Gardase mündet. Diese österreichische Garnisonsstadt diente am Abend der Schlacht als Ziel des Rückzugs der österreichischen Truppen. Hier verübten die französischen Heeresstreitkräfte in den letzten Juni-Tagen des Jahres 1859 mehrere Attacken, die von den Österreichern zurückgeschlagen wurden. Es waren die letzten Gefechte des "Risorgimento" Am 11. Juli 1859 unterzeichneten die beiden Kaiser Napoléon III. und Franz Joseph I. in Villafranca einen Friedensvertrag. (24.9.2008)


Solferino-Vincoli: Das Gebeinhaus ("Ossario" in der früheren Kirche Chiesa di San Petro an der Via Ossario. Es beherbergt die sterblichen Überreste von bis zu 7.000 Gefallenen, darunter 1.413 Totenschädel. Die Knochen wurden mehrere Jahre nach der Schlacht von der "Società Solferino e San Martino" geborgen, gereinigt und im Gebeinhaus gesammelt. (25.9.2008)


Solferino: Gebeinhaus - Altarraum mit den hochgestapelten Totenschädeln de Gefallenen. (25.9.2008)


Solferino - Gebeinhaus: Gestapelte Schenkelknochen der Gefallenen im Untergeschoss. (25.9.2008)


San Martino della Battalia: Diese Gebeinkapelle ("Capella Osario") beherbergt die sterblichen Überreste von 2.619 Gefallenen, darunter 1.274 Totenschädel. (28.9.2008)


San Martino della Battaglia: Der Altarraum in der Gebeinkapelle. An den Wänden Kränze, Kranzschleifen und Tafeln mit den Namen der Gefällenen. (28.9.2008)


San Martino della Battaglia: Aufgereihte Totenschädel in der Gebeinkapelle mit einem  Einschussloch im mittleren Totenschädel. (28.9.2008)


Solferino: Die so genannte Zypressenallee unterhalb des Wachturms "La Rocca" führt zum  Mahnmal des Internationalen Roten Kreuzes ("Memoriale della Croce Rossa Internazionale"), das zum hundersten Jahrestag der Schlacht 1959 eingeweiht wurde. (25.9.2008)


Henry J. Dunant aus Genf war - zufälliger Weise - der Augenzeuge der Schlacht. Über seine Erfahrungen verfasste er 1862 das Buch "Un Souvenir de Solferino" (dt. "Eine Erinnerung an Solferino"). Mit diesem Werk initiierte er die Gründung des "Roten Kreuzes". Dieses war ursprünglich gedacht als eine private Hilfsorganisation zur Versorgung von verwundeten Soldaten in Kriegen, mittlerweile hat sich das "Internationale Rote Kreuz" zu einer internationalen Rettungs- und Katastrophenschutzorganisation gemausert. Bei der Abbildung handelt es sich um die Erstausgabe (10. Auflage) des Verlages Joel Cherbuliez Libraire in Genf (Schweiz) von 1862. (Ausstellungsstück aus der "Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung" in Luckenwalde in Brandenburg.)


Eine der beiden deutschsprachigen Erstausgaben von "Eine Erinnerung an Solferino", Hier die Ausgabe aus Basel aus dem Jahr 1863. (Ausstellungsstück aus der "Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung" in Luckenwalde in Brandenburg.)


Berlin: Am 25. Juni 2009 fand in der italienischen Botschaft (Ambasciata d´Italia) in der Tiergartenstraße vor ausgewähltem Publikum eine Gedenkveranstaltung zum 150. Jahrestag der Schlacht statt.

ff

 
   
 
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